Tiefbauunternehmen
Tiefbauunternehmen führen alle Arbeiten unterhalb der Geländeoberkante aus: Erdaushub, Leitungsgräben, Fundamente, Straßenbau und Entwässerungsanlagen. Sie werden beauftragt, wenn Baugrund vorbereitet, Ver- und Entsorgungsleitungen verlegt oder Verkehrsflächen hergestellt werden sollen.
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Was macht ein Tiefbauunternehmen?
Tiefbauunternehmen sind auf Baumaßnahmen spezialisiert, die sich im Erdreich, auf oder unter der Geländeoberfläche abspielen. Dazu gehören Erdbewegungen jeder Größenordnung, das Herstellen von Baugruben und Gräben, das Verlegen von Kanälen, Wasser-, Gas- und Stromleitungen sowie das Errichten von Straßen, Wegen und Plätzen. Typische Auftraggeber sind Kommunen, Versorgungsunternehmen, Bauträger und private Grundstückseigentümer, die einen Hausanschluss, eine Zuwegung oder einen Kanalanschluss benötigen.
Der Aufgabenbereich reicht von kleinen Grabungsarbeiten auf dem Privatgrundstück bis hin zu umfangreichen Erschließungsmaßnahmen für ganze Baugebiete. Typische Auftragslagen im gewerblichen Bereich umfassen Kanalneubau und -sanierung, Straßenunterbau, Entwässerungsanlagen, Stützmauern sowie Erdarbeiten als Vorleistung für andere Gewerke. Im privaten Bereich sind Hausanschlüsse, Drainagen, Pflasterarbeiten auf unterbautem Untergrund und Terrassengründungen häufige Aufgaben.
Von benachbarten Gewerken grenzt sich der Tiefbau folgendermaßen ab: Der Hochbau übernimmt die Arbeiten ab Oberkante Fundament und ist für aufgehende Mauern, Decken und das Gebäude selbst zuständig. Pflasterer und Straßenbauer sind ein Teilbereich des Tiefbaus, den manche Betriebe selbst abdecken, während andere sie an Subunternehmer vergeben. Spezielle Arbeiten wie Kampfmittelräumung, Bohrpfahlgründungen oder unterirdischer Rohrvortrieb werden von darauf spezialisierten Unternehmen ausgeführt, die teils als Nachunternehmer eingebunden werden.
Leistungen im Überblick
Tiefbauunternehmen decken ein breites Spektrum an erd- und leitungsbezogenen Arbeiten ab, das je nach Betriebsgröße und Ausstattung variiert.
- Erdarbeiten und AushubDazu zählen das Abtragen von Oberboden, das Ausheben von Baugruben und Leitungsgräben sowie das Einbringen und Verdichten von Füllmaterial. Die anfallenden Bodenmassen werden abtransportiert oder auf dem Grundstück zwischengelagert und wiedereingebaut.
- Leitungs- und KanalbauTiefbauunternehmen verlegen Abwasserleitungen, Regenwasserkanäle und Druckrohrleitungen für Trinkwasser und Gas. Sie koordinieren dabei häufig die Arbeiten mit den zuständigen Versorgungsträgern und Behörden.
- HausanschlüsseDer Anschluss eines Gebäudes an das öffentliche Kanal-, Wasser- und Stromnetz erfordert Grabungsarbeiten auf privatem und öffentlichem Grund. Tiefbauunternehmen übernehmen sowohl den Aushub als auch das Einbringen der Anschlussleitungen und den fachgerechten Verschluss der Oberfläche.
- Drainage und EntwässerungAuf wasserempfindlichem Baugrund oder bei drückendem Grundwasser werden Drainageleitungen um das Gebäude oder im Gartenbereich verlegt. Sie leiten überschüssiges Wasser gezielt ab und schützen Fundamente vor dauerhafter Durchfeuchtung.
- Straßen- und WegebauHierzu gehören das Herstellen von Unterbau, Tragschichten und Deckschichten für Fahrbahnen, Zufahrten, Parkplätze und Gehwege. Je nach Auftrag werden Asphalt- oder Pflasterdecken aufgebracht, oft in Zusammenarbeit mit spezialisierten Subunternehmern.
- Verbauarbeiten und BaugrubensicherungBei tiefen Aushüben oder beengten Verhältnissen sichert ein Tiefbauunternehmen die Baugrubenränder durch Verbauplatten, Spundwände oder andere Stützkonstruktionen. Dies ist gesetzlich vorgeschrieben und schützt Nachbarbebauung sowie Mitarbeiter auf der Baustelle.
- Abbruch und Rückbau im ErdreichAlte Rohrleitungen, Fundamente und Bodenplatten werden zurückgebaut und das Erdreich gegebenenfalls auf Schadstoffe untersucht und fachgerecht entsorgt. Das Tiefbauunternehmen übernimmt häufig die Koordination mit Entsorgungsträgern und die Dokumentation der Bodenmassen.
Was kostet ein Tiefbauunternehmen?
Im Tiefbau werden Leistungen überwiegend nach Einheitspreisen abgerechnet, also pro Kubikmeter Aushub, pro laufenden Meter Rohrleitung oder pro Quadratmeter hergestellter Fläche. Der Preis hängt entscheidend vom Boden, der Tiefe der Maßnahme, dem erforderlichen Gerät und den Entsorgungskosten für Bodenmaterial ab.
| Leistung | Richtpreis | Was den Preis bestimmt |
|---|---|---|
| Erdaushub (Baugrube oder Graben) | 8-22 EUR/m3 | Bodenklasse, Tiefe und Abtransportweg bestimmen den Preis; gewachsener Fels wird separat berechnet |
| Abwasserkanal verlegen (DN 150-200) | 80-160 EUR/lfd. m | Inklusive Graben, Bettung und Verfüllung; ohne Tiefenzuschlag bei mehr als 2 m Tiefe |
| Hausanschluss Kanal (Privatgrundstück) | 2.500-6.500 EUR/Pauschal | Je nach Leitungslänge, Tiefe und Aufwand für die Wiederherstellung der Oberfläche |
| Drainage verlegen | 35-65 EUR/lfd. m | Drainrohr DN 100 mit Kiesbettung; Kosten steigen bei hohem Grundwasserspiegel oder schwierigem Boden |
| Wegeunterbau herstellen (Tragschicht) | 18-35 EUR/m2 | Schichtdicke, Material und Verdichtungsanforderungen beeinflussen den Preis |
| Stundenverrechnungssatz Bagger mit Fahrer | 90-140 EUR/Stunde | Gerätetyp und Regionale Marktsituation sind entscheidend; Kleinstbagger für beengte Lagen am oberen Rand |
Alle Angaben sind Richtwerte auf Basis marktüblicher Preise in Deutschland für 2026. Regional können die Sätze erheblich abweichen, insbesondere in Ballungsräumen mit hoher Auslastung oder in Regionen mit weiten Transportwegen für Erd- und Entsorgungsmaterial.
Woran Sie ein gutes Tiefbauunternehmen erkennen
Seriöse Tiefbauunternehmen sind durch ihre Qualifikationen, ihre Ausstattung und ihr Verhalten im Angebotsgespräch erkennbar.
- Gewerbeanmeldung und Eintrag in die HandwerksrolleTiefbauarbeiten sind zulassungspflichtige Tätigkeiten. Fragen Sie nach dem Eintrag in die Handwerksrolle der zuständigen Handwerkskammer und prüfen Sie, ob das Unternehmen eine gültige Betriebshaftpflichtversicherung vorweisen kann.
- Ortsbesichtigung vor der AngebotserstellungEin seriöser Betrieb besteht auf einer Begehung vor Ort, bevor er ein Angebot abgibt. Nur wer den Boden, die Zufahrtsituation und die Tiefe der geplanten Maßnahme kennt, kann realistisch kalkulieren.
- Detailliertes schriftliches AngebotDas Angebot sollte Einheitspreise, Mengenansätze, Entsorgungskosten und die geplanten Geräte einzeln ausweisen. Pauschalsummen ohne Positionsgliederung machen Nachkalkulationen und Vergleiche unmöglich.
- Referenzen vergleichbarer ProjekteFragen Sie nach abgeschlossenen Projekten ähnlicher Größe und Art. Aussagekräftige Referenzen mit Ansprechpartnern beim Auftraggeber sind ein belastbares Qualitätsmerkmal.
- Eigenes Gerät und qualifiziertes PersonalBetriebe mit eigenem Maschinenpark und festangestellten Baggerführern reagieren flexibler auf unvorhergesehene Situationen auf der Baustelle. Erkunden Sie, ob Kernleistungen in Eigenleistung oder vollständig durch Nachunternehmer erbracht werden.
- Klarer Zeitplan und BaustellenorganisationTiefbaumaßnahmen beeinflussen oft andere Gewerke und Verkehrsflächen. Ein erfahrener Betrieb legt Anfang, Abschnitte und voraussichtliches Ende verbindlich fest und kommuniziert Verzögerungen frühzeitig.
Angebote richtig vergleichen
Ein vollständiges Angebot eines Tiefbauunternehmens muss die Leistungen positionsweise nach Leistungsverzeichnis oder zumindest nach klar abgegrenzten Einheitspositionen gliedern. Jede Position sollte Mengenansatz, Einheit und Einheitspreis enthalten. Hinzu kommen Angaben zu den Entsorgungskosten für Bodenaushub, zur Bodenklasse, die der Kalkulation zugrunde liegt, zur Wiederherstellung der Oberfläche sowie zu Nebenleistungen wie Verkehrssicherung, Verbau oder Pumpmaßnahmen bei Grundwasser. Fehlen diese Punkte, entstehen fast immer Nachtragskosten.
Für Aufträge ab etwa 10.000 EUR empfiehlt sich das Einholen von drei Angeboten, damit Sie Einheitspreise und Mengenansätze sinnvoll gegenüberstellen können. Achten Sie darauf, dass alle Angebote auf denselben Leistungsumfang Bezug nehmen, denn ein auffällig günstiges Angebot bedeutet häufig nur, dass einzelne Positionen fehlen oder eine ungünstige Bodenklasse nicht eingerechnet wurde. Klären Sie vor der Vergabe schriftlich, wie mit unvorhergesehenen Bodenverhältnissen, Hindernissen im Untergrund oder Mehrmengen umgegangen wird.
Häufige Fragen
Was kostet ein Tiefbauunternehmen pro Stunde?
Der Stundenverrechnungssatz für einen Bagger mit Fahrer liegt in Deutschland typischerweise zwischen 90 und 140 EUR pro Stunde, je nach Gerätetyp und Region. Für Facharbeiter ohne Gerät sind Stundensätze zwischen 60 und 90 EUR üblich. In der Praxis rechnen Tiefbauunternehmen aber meist nach Einheitspreisen pro Kubikmeter oder laufenden Meter ab, nicht nach reiner Stundenzeit.
Welche Genehmigungen brauche ich für Tiefbauarbeiten auf meinem Grundstück?
Das hängt vom Umfang der Maßnahme ab. Einfache Erdarbeiten auf privatem Grund benötigen in der Regel keine gesonderte Genehmigung, solange keine öffentliche Fläche berührt wird. Sobald Leitungsanschlüsse an das öffentliche Netz hergestellt oder öffentliche Verkehrsflächen geöffnet werden müssen, ist eine Genehmigung beim Tiefbauamt oder der zuständigen Gemeinde einzuholen. Ihr Tiefbauunternehmen kennt die regionalen Vorschriften und übernimmt die Antragstellung häufig selbst.
Wie lange dauern typische Tiefbauarbeiten für einen Hausanschluss?
Ein einfacher Kanalanschluss auf privatem Grund ist bei normalem Boden und kurzer Leitungsstrecke in ein bis drei Arbeitstagen ausführbar. Müssen öffentliche Straßen geöffnet, Verkehrsführungen eingerichtet oder besondere Verbaumaßnahmen ergriffen werden, verlängert sich die Bauzeit entsprechend. Hinzu kommen Vorlaufzeiten für Genehmigungen, die mehrere Wochen in Anspruch nehmen können.
Was passiert, wenn auf meinem Grundstück unerwarteter Fels oder Altlasten gefunden werden?
Trifft das Tiefbauunternehmen auf Fels, gilt dieser in der Regel als geänderte Bodenklasse und berechtigt zu einem Nachtrag auf den Einheitspreis. Altlasten wie kontaminierter Boden oder Bauschutt müssen separat beprobt, dokumentiert und durch zugelassene Entsorgungsbetriebe entsorgt werden, was erhebliche Mehrkosten verursachen kann. Klären Sie vor Baubeginn schriftlich, wie mit solchen Eventualitäten umgegangen wird, um Überraschungen bei der Schlussrechnung zu vermeiden.
Übernimmt das Tiefbauunternehmen auch die Wiederherstellung der Oberfläche?
Das ist von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich und sollte ausdrücklich im Angebot geregelt sein. Viele Tiefbauunternehmen verfüllen und verdichten die Gräben und stellen einen einfachen Oberbelag wieder her, überlassen feinere Pflaster- oder Asphaltarbeiten jedoch Spezialisten. Prüfen Sie im Angebot, bis zu welchem Endzustand die Leistung reicht, und klären Sie, wer für Setzungen im ersten Jahr nach der Verfüllung verantwortlich ist.
Wie finde ich ein geeignetes Tiefbauunternehmen in meiner Region?
Regionale Firmenverzeichnisse und Branchenbücher für Bau und Handwerk sind ein guter Ausgangspunkt, da sie nach Gewerk und Ort filtern lassen. Empfehlungen von Architekten, Bauleitern oder anderen Handwerksbetrieben sind ebenfalls verlässlich, weil diese die örtlichen Kapazitäten und die Qualität der Betriebe aus eigener Erfahrung kennen. Holen Sie stets mindestens zwei bis drei Angebote ein und lassen Sie sich Referenzprojekte in Ihrer Region zeigen.
Kann ein Tiefbauunternehmen auch mit anderen Gewerken koordiniert werden?
Ja, viele Tiefbauunternehmen sind es gewohnt, ihre Arbeiten mit Hochbauern, Versorgungsunternehmen und Behörden abzustimmen, da Tiefbaumaßnahmen häufig als Vorleistung für andere Gewerke dienen. Bei größeren Projekten empfiehlt sich die Einbindung eines Bauleiters oder Architekten, der die Terminabfolge überwacht und sicherstellt, dass keine Arbeiten durch fehlende Vorlaufzeiten blockiert werden. Klären Sie im Vorfeld, ob das Tiefbauunternehmen Koordinationsaufgaben übernimmt oder lediglich seine eigene Leistung ausführt.