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Spezialtiefbau

Spezialtiefbau umfasst anspruchsvolle Tiefbauarbeiten, die besondere Geräte, Verfahren oder Fachkenntnisse erfordern und über den konventionellen Erdbau hinausgehen. Bauherren und Unternehmen beauftragen Spezialtiefbauer, wenn Gründungen unter schwierigen Bodenverhältnissen, Verbaumaßnahmen, Injektionen oder Bohrpfähle erforderlich sind.

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Was umfasst ein Spezialtiefbau?

Spezialtiefbauunternehmen führen Arbeiten im Untergrund aus, die mit einfachen Erdarbeiten nicht zu bewältigen sind. Dazu zählen das Herstellen von Bohrpfählen, Schlitzwänden und Spundwänden zur Lastabtragung oder Baugrubensicherung, das Einbringen von Boden- und Felsankern, Injektionsmaßnahmen zur Bodenverbesserung sowie Brunnen- und Horizontalbohrungen. Ausgangspunkt jeder Maßnahme ist ein Baugrundgutachten, das die Bodenverhältnisse beschreibt und die geeigneten Verfahren vorgibt.

Typische Auftragslagen entstehen beim Neubau von Hoch- und Ingenieurbauwerken, wenn der Baugrund tragfähige Schichten erst in größerer Tiefe aufweist, beim Bauen in engen Innenstadtlagen, bei der Sicherung von Hangrutschungen oder beim Schutz benachbarter Gebäude während einer tiefen Baugrube. Auch die Sanierung von Altlasten und Leckagen im Untergrund sowie der Rückbau von Fundamenten fallen in diesen Bereich. Öffentliche Auftraggeber wie Kommunen, Bahn und Straßenbauverwaltungen zählen ebenso zu den Kunden wie private Projektentwickler und Industriebetriebe.

Vom allgemeinen Tiefbau, der Erdaushub, Kanalbau und Straßenarbeiten umfasst, unterscheidet sich der Spezialtiefbau durch den Einsatz von Spezialmaschinen wie Bohrgeräten, Schlitzwandfräsen oder Rütteldruckgeräten und durch die verfahrenstechnische Komplexität. Der klassische Erdbauer bewegt Boden, der Spezialtiefbauer verändert dessen Eigenschaften oder überträgt Lasten gezielt in tiefere Schichten. Statik, Geotechnik und Maschinentechnik greifen dabei unmittelbar ineinander.

Leistungen im Überblick

Spezialtiefbauunternehmen decken ein breites Spektrum geotechnischer Verfahren ab, die je nach Bodenverhältnis und Bauaufgabe ausgewählt werden.

  • Bohrpfähle und VerdrängungspfähleBohrpfähle übertragen Gebäudelasten durch schwach tragfähige Bodenschichten hindurch auf festes Gestein oder dichten Sand und Kies. Je nach Verfahren werden sie gebohrt oder durch Verdrängung ohne Aushub hergestellt.
  • BaugrubenverbauSpundwände, Trägerbohlwände, Bohrpfahlwände und Schlitzwände sichern Baugruben gegen Einsturz und schützen benachbarte Bebauung. Die Wahl des Systems hängt von Aushubtiefe, Grundwasserstand und Platzverhältnissen ab.
  • Boden- und FelsankerVerpressanker verankern Verbauteile, Böschungen oder Stützbauwerke im Untergrund und nehmen Zug- oder Druckkräfte auf. Sie werden gebohrt, mit Zementleim verpresst und nach Aushärten auf die erforderliche Tragkraft geprüft.
  • Injektionen und BodenverbesserungDurch Einpressen von Zementsuspensionen oder Kunstharzen werden Hohlräume verfüllt, durchlässige Böden abgedichtet oder die Tragfähigkeit des Baugrundes erhöht. Verfahren wie Düsenstrahlinjektionen (Soilcement) erlauben zudem das Herstellen tragfähiger Bodenkörper ohne Aushub.
  • Horizontalbohrungen und RohrvortriebSteuerbare Horizontalbohrungen und Pressbohrungen verlegen Leitungen und Rohre grabenlos unter Straßen, Bahngleisen oder Gewässern hindurch. Das Verfahren vermeidet aufwendige Aufgrabungen und reduziert die Eingriffe in den Verkehr erheblich.
  • Brunnenbohrungen und GrundwasserabsenkungZur Trockenhaltung tiefer Baugruben werden Brunnen gebohrt und Pumpensysteme installiert, die das Grundwasser während der Bauphase auf einem definierten Niveau halten. Nach Abschluss der Arbeiten werden die Brunnen fachgerecht zurückgebaut oder als Dauernutzungsanlage übergeben.
  • Mikropfähle und UnterfangungenKleinquerschnittige Bohrpfähle, sogenannte Mikropfähle, eignen sich für beengte Verhältnisse im Bestand und zur Unterfangung bestehender Fundamente. Sie werden eingesetzt, wenn schweres Gerät keinen Zugang hat oder ein laufender Betrieb im Gebäude nicht unterbrochen werden darf.

Was kostet ein Spezialtiefbau?

Spezialtiefbauleistungen werden fast ausschließlich nach Einheitspreisen abgerechnet, bezogen auf Bohrmeterlängen, Quadratmeter Verbaufläche oder Kubikmeter Boden. Die größten Preistreiber sind Baugrundverhältnisse, Maschineneinsatz, Tiefe der Maßnahme und Zugänglichkeit der Baustelle.

LeistungRichtpreisWas den Preis bestimmt
Bohrpfähle (Ortbeton, Durchmesser 40-60 cm) 80-180 EUR/lfd. m Pfahldurchmesser, Bodenverhältnisse und Betonstahlbewehrung bestimmen die Spanne
Spundwand (Stahlspundwand, einfach) 120-250 EUR/m2 Abhängig von Einbindetiefe, Profilgröße und Rückbau nach Bauende
Verpressanker (temporär) 400-900 EUR/Stück Bohrlänge, Felspassage und Prüfanforderungen treiben den Preis
Horizontalbohrung (grabenlos, bis DN 300) 150-400 EUR/lfd. m Steuerbauwerk, Bodenbeschaffenheit und Leitungsdurchmesser sind maßgeblich
Düsenstrahlverfahren (Soilcement-Säulen) 60-130 EUR/lfd. m Säulendurchmesser, Tiefe und Zementverbrauch variieren stark je nach Bodenkennwerten
Grundwasserabsenkung (Brunnensystem, Betrieb pro Monat) 2.500-8.000 EUR/Monat Anzahl Brunnen, Fördermenge und Dauer der Absenkung bestimmen die Kosten

Die genannten Preise sind Orientierungswerte auf Basis üblicher Ausschreibungen in Deutschland und können je nach Region, Projektgröße und Marktsituation deutlich abweichen. Ohne belastbares Baugrundgutachten und genaue Leistungsbeschreibung ist keine seriöse Kostenaussage möglich.

Woran Sie einen guten Anbieter für Spezialtiefbau erkennen

Die Auswahl des richtigen Spezialtiefbauunternehmens ist angesichts der technischen Komplexität und der weitreichenden Folgeschäden bei Ausführungsfehlern besonders sorgfältig zu treffen.

  1. Nachgewiesene Fachkunde und ZertifizierungenSeriöse Spezialtiefbauunternehmen weisen Nachweise gemäß DIN EN ISO 22477 und einschlägigen Zulassungen für ihre Verfahren vor. Fragen Sie konkret nach Eignungsnachweisen für das geplante Verfahren und ob ein geotechnisch verantwortlicher Ingenieur im Betrieb beschäftigt ist.
  2. Referenzprojekte vergleichbarer AufgabenstellungEin erfahrener Betrieb kann Referenzen mit ähnlichen Baugrundverhältnissen, Tiefen und Verfahren benennen. Lassen Sie sich Kontaktdaten früherer Auftraggeber geben und erkundigen Sie sich nach Termintreue und Umgang mit unvorhergesehenen Bodenverhältnissen.
  3. Eigener Maschinenpark und geschultes PersonalUnternehmen mit eigenem Gerät können flexibler reagieren und tragen die Verantwortung für Wartung und Maschinenzustand selbst. Erkundigen Sie sich, ob kritische Leistungen mit eigenem Gerät oder ausschließlich über Nachunternehmer erbracht werden.
  4. Vollständige Leistungsbeschreibung im AngebotDas Angebot muss alle Positionen mit Mengenansätzen, Einheitspreisen und klar beschriebenem Leistungsumfang enthalten. Pauschalen ohne Einzelaufschlüsselung und fehlende Positionen für Entsorgung, Verbau oder Vorhaltung sind ein Warnsignal.
  5. Berücksichtigung des BaugrundgutachtensEin kompetentes Unternehmen arbeitet auf Basis eines geotechnischen Berichts und fragt danach, wenn keiner vorliegt. Bietet jemand ein Festpreisangebot ohne Kenntnis der Bodenverhältnisse an, ist Vorsicht geboten.
  6. Haftpflichtversicherung mit ausreichender DeckungssummeSpezialtiefbauschäden können benachbarte Gebäude, Ver- und Entsorgungsleitungen oder das Grundwasser betreffen und hohe Schadenssummen erreichen. Lassen Sie sich die Betriebshaftpflichtpolice mit der Deckungssumme schriftlich vorlegen.

Angebote richtig vergleichen

Ein belastbares Angebot im Spezialtiefbau enthält eine positionsweise Aufgliederung mit Einheitspreisen, klar definierten Mengenansätzen und einer eindeutigen Leistungsbeschreibung, die auf die spezifischen Bodenverhältnisse Bezug nimmt. Es muss erkennbar sein, welches Verfahren angewendet wird, welche Vor- und Nachleistungen eingeschlossen sind und wie mit abweichenden Bodenverhältnissen umgegangen wird. Besondere Aufmerksamkeit verdienen Positionen für Materialmehrverbrauch, Deponiekosten, Rüttelzeiten und Gerätevor- und Abrüstung, die in günstig erscheinenden Angeboten häufig fehlen oder nur pauschal ausgewiesen werden.

Für Spezialtiefbauprojekte ab mittlerer Größe empfiehlt sich die Einholung von mindestens drei Angeboten, idealerweise auf Basis einer von einem Geotechniker erstellten Leistungsbeschreibung. Nur so lassen sich Angebote wirklich vergleichen, da unterschiedliche Mengenansätze oder Verfahrenswahl die Vergleichbarkeit sonst aufheben. Liegt ein Angebot deutlich unter den anderen, sollten Sie die enthaltenen Positionen genau prüfen und nicht automatisch den günstigsten Bieter beauftragen, denn Nachtragsrisiken im Untergrundbereich können die anfängliche Ersparnis schnell übersteigen.

Häufige Fragen

Was ist Spezialtiefbau?

Spezialtiefbau bezeichnet Tiefbauarbeiten, die besondere Verfahren, Maschinen und geotechnisches Fachwissen erfordern und über den normalen Erdbau hinausgehen. Typische Leistungen sind das Herstellen von Bohrpfählen, Verbaukonstruktionen, Ankern, Injektionen und Horizontalbohrungen. Diese Maßnahmen werden eingesetzt, wenn Gebäude auf schwachem Baugrund gegründet werden müssen, Baugruben gesichert oder Lasten in tiefere Bodenschichten abgeleitet werden sollen. Das Fachgebiet verbindet Bauingenieurwesen, Geotechnik und schwere Maschinentechnik.

Wann brauche ich einen Spezialtiefbauunternehmer?

Einen Spezialtiefbauunternehmer benötigen Sie, sobald das Baugrundgutachten tragfähige Schichten erst in größerer Tiefe ausweist, die Baugrube tief oder platzbeschränkt ist, benachbarte Gebäude geschützt werden müssen oder Leitungen grabenlos verlegt werden sollen. Auch die Sanierung wasserundurchlässiger Schichten und die Ertüchtigung bestehender Fundamente sind klassische Aufgaben. Ein geotechnischer Bericht ist die Grundlage, um zu beurteilen, welches Verfahren notwendig ist.

Was kostet ein Bohrpfahl beim Spezialtiefbau?

Für Ortbetonbohrpfähle mit einem Durchmesser von 40 bis 60 Zentimetern bewegen sich die Einheitspreise je nach Bodenverhältnis, Tiefe und Bewehrungsgrad zwischen 80 und 180 EUR pro laufenden Meter. Bei sehr schwierigem Gebirge, großen Durchmessern oder erforderlichen Prüfbelastungen können die Kosten höher ausfallen. Ohne Baugrundgutachten und genaue Planung lässt sich kein verlässlicher Preis ermitteln. Die Gesamtkosten hängen zudem von der Anzahl der Pfähle, den Rüstaufwendungen und der Zugänglichkeit der Baustelle ab.

Wie lange dauert eine Spezialtiefbaumaßnahme?

Die Dauer hängt stark von Art und Umfang der Maßnahme ab. Ein einfacher Baugrubenverbau mit Spundwänden für ein Einfamilienhaus kann in wenigen Tagen abgeschlossen sein, während eine Bohrpfahlgründung für ein größeres Gebäude mehrere Wochen in Anspruch nehmen kann. Verzögerungen entstehen häufig durch unerwartete Bodenverhältnisse, Grundwasserzutritte oder Leitungsquerschneidungen. Lassen Sie sich im Angebot einen realistischen Zeitplan mit definierten Meilensteinen ausweisen.

Brauche ich vor dem Spezialtiefbau ein Baugrundgutachten?

Ja, ein geotechnischer Bericht gemäß DIN EN 1997-2 ist die zwingende Grundlage für jede Spezialtiefbaumaßnahme. Ohne Kenntnisse über Bodenart, Tragfähigkeit, Grundwasserstand und mögliche Altlasten kann weder das geeignete Verfahren gewählt noch ein seriöses Angebot erstellt werden. Die Kosten für ein Gutachten liegen je nach Untersuchungstiefe und Bohranzahl zwischen 1.500 und 8.000 EUR und sind angesichts der Planungssicherheit gut investiert. Fehlt das Gutachten, steigt das Nachtragsrisiko erheblich.

Wer zahlt Schäden, die durch Spezialtiefbauarbeiten an Nachbargebäuden entstehen?

Schäden an Nachbargebäuden, die durch Erschütterungen, Setzungen oder Grundwasserveränderungen entstehen, fallen grundsätzlich in die Haftung des ausführenden Unternehmens, sofern es Ausführungsfehler zu vertreten hat. Der Auftraggeber kann bei unzureichender Planung oder fehlendem Baugrundgutachten ebenfalls in Haftung genommen werden. Verlangen Sie deshalb vor Auftragserteilung den Nachweis einer ausreichend gedeckten Betriebshaftpflichtversicherung und dokumentieren Sie den Zustand benachbarter Gebäude vor Baubeginn mit einem Beweissicherungsprotokoll.

Kann ich Spezialtiefbauarbeiten in Teilleistungen vergeben?

Grundsätzlich ist eine getrennte Vergabe von Teilleistungen wie Baugrunderkundung, Verbau und Pfahlgründung möglich, birgt aber Koordinationsrisiken an den Schnittstellen. In der Praxis empfiehlt sich für kleinere und mittlere Projekte die Vergabe aus einer Hand, da ein Unternehmen dann die Gesamtverantwortung für das geotechnische Zusammenspiel der Maßnahmen übernimmt. Bei größeren Projekten mit einem beauftragten Geotechniker als Planer und Überwacher lässt sich eine Aufteilung besser beherrschen.