Geothermiebohrung
Geothermiebohrungen erschließen Erdwärme als regenerative Energiequelle für Gebäudeheizungen und -kühlung. Fachbetriebe werden beauftragt, wenn eine Erdwärmepumpe installiert werden soll und dafür Erdwärmesonden in den Untergrund eingebracht werden müssen.
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Was umfasst eine Erdwärmebohrung?
Geothermiebohrer bringen vertikale Erdwärmesonden in den Untergrund ein, in der Regel auf Tiefen zwischen 50 und 200 Metern. Dabei werden zunächst die geologischen Verhältnisse geprüft, dann das Bohrloch niedergebracht, die Doppel-U-Rohrsonde eingebaut und anschließend das Bohrloch mit einer wärmeleitenden Zementsuspension verpresst. Ziel ist es, ein druckfestes, dauerhaftes Sondensystem zu schaffen, das thermische Energie aus dem Erdreich an die Wärmepumpe im Gebäude überträgt.
Typische Auftraggeber sind Bauherren von Einfamilienhäusern, Mehrfamilienhäusern oder Gewerbegebäuden, die eine Sole-Wasser-Wärmepumpe einsetzen wollen. Auch Sanierungen bestehender Heizsysteme auf Erdwärmepumpe sind ein häufiger Auftrag, ebenso wie größere Felder mit mehreren Sonden für Quartierslösungen oder gewerbliche Objekte.
Die Geothermiebohrung ist klar abgegrenzt von der Installationsarbeit an der Wärmepumpe selbst, die ein Heizungsbauer übernimmt. Der Bohrfachbetrieb verantwortet alles vom Bohrpunkt bis zum Schacht, in dem die Sonde an den Verteiler angeschlossen wird. Der Anschluss der Soleleitungen zum Keller und die Einbindung in die Haustechnik obliegen dagegen dem Heizungsinstallateur. Beide Gewerke müssen ihre Arbeiten koordinieren.
Leistungen im Überblick
Fachbetriebe für Erdwärmebohrungen erbringen alle Leistungen von der Planung und Genehmigung bis zum fertigen, verpressten Sondensystem.
- Beratung und StandortanalyseDer Betrieb prüft die geologischen und hydrogeologischen Verhältnisse am geplanten Bohrstandort anhand vorliegender Bodengutachten und Geothermieatlas-Daten. Daraus ergibt sich, wie viele Sonden mit welcher Tiefe benötigt werden, um die geforderte Heizleistung sicherzustellen.
- GenehmigungsmanagementIn Deutschland ist die Erdwärmebohrung genehmigungspflichtig und erfordert eine wasserrechtliche Erlaubnis der zuständigen Behörde, meist das Landratsamt oder die Untere Wasserbehörde. Viele Fachbetriebe übernehmen die Antragstellung und reichen alle erforderlichen Unterlagen ein.
- Nieder- und Aufbringen der ErdwärmesondeMit einer Bohranlage wird das Bohrloch abgeteuft und die Doppel-U-Rohrsonde fachgerecht eingebaut. Die Tiefe richtet sich nach der Entzugsleistung des Bodens und der benötigten Heizlast des Gebäudes.
- Thermisches Verfüllen (Verpressen)Das Ringraum zwischen Sonde und Bohrlochwand wird mit einer wärmeleitenden Zementsuspension (Verpressmasse) vollständig verfüllt. Das ist sowohl aus thermischen Gründen als auch wasserrechtlich vorgeschrieben, um eine Verbindung verschiedener Grundwasserschichten zu verhindern.
- Druckprüfung und SpülungNach dem Einbau wird die Sonde auf Dichtigkeit geprüft und hydraulisch gespült. Das Protokoll der Druckprüfung ist Bestandteil der Dokumentation und wird an den Heizungsbauer weitergegeben.
- Bohrprotokoll und DokumentationJedes Bohrloch wird mit einem Schichtenprofil dokumentiert, das die angetroffenen Gesteins- und Bodenschichten zeigt. Diese Dokumentation ist bei vielen Genehmigungen Pflicht und dient auch als Grundlage für eventuelle spätere Arbeiten am Standort.
- Mehrfeldanlagen und SondenfelderBei größeren Objekten werden mehrere Bohrungen zu einem Sondenfeld zusammengeschaltet, das über einen Verteiler an die Wärmepumpenanlage angebunden wird. Planung, Abstände und hydraulische Balance zwischen den Sonden erfordern dabei besondere Fachkenntnisse.
Was kostet eine Erdwärmebohrung?
Erdwärmebohrungen werden fast ausschließlich nach Bohrtiefe abgerechnet, also als Einheitspreis je laufendem Meter Bohrloch. Der Preis je Meter hängt maßgeblich von der Gesteinsart, der erforderlichen Bohrtechnik, der Anzahl der Sonden und dem regionalen Wettbewerb ab.
| Leistung | Richtpreis | Was den Preis bestimmt |
|---|---|---|
| Erdwärmebohrung im Lockergestein (Sand, Kies) | 50-70 EUR/lfd. m | Günstigste Variante, einfach zu bohren, vor allem in Norddeutschland |
| Erdwärmebohrung im Festgestein (Fels, Granit) | 80-130 EUR/lfd. m | Erhöhter Verschleiß und langsamerer Bohrfortschritt treiben den Preis |
| Sonde inkl. Einbau und Verpressen | 20-35 EUR/lfd. m | Zusätzlich zum Bohrpreis, abhängig von Sondentyp und Verpressmaterial |
| Komplettpaket Einfamilienhaus (1-2 Sonden, ca. 100-150 m Tiefe) | 8.000-20.000 EUR | Gesamtpreis je nach Geologie, Tiefenbedarf und Bohranzahl |
| Genehmigung und Dokumentation (pauschal) | 500-1.500 EUR | Behördliche Gebühren und Aufwand für Antragsstellung variieren je Bundesland |
| Bohrplatzeinrichtung und Anfahrt | 500-2.000 EUR | Einmaliger Posten je Bauvorhaben, bei mehreren Sonden auf alle verteilt |
Die genannten Preise sind Richtwerte für Deutschland 2026 und können je nach Region, Untergrundverhältnissen und Auslastung der Betriebe deutlich abweichen. In dicht besiedelten Regionen mit vielen Anfragen sowie in gebirgigen Gebieten mit Felsboden liegen die Preise typischerweise am oberen Rand.
Woran Sie einen guten Anbieter für Erdwärmebohrung erkennen
Die Qualität einer Erdwärmebohrung entscheidet langfristig über Effizienz und Betriebssicherheit der gesamten Heizanlage — achten Sie daher auf diese Kriterien.
- Zertifizierung nach DVGW W 120-2Fachbetriebe für Erdwärmebohrungen sollten nach dem DVGW-Regelwerk W 120-2 zertifiziert sein, das die Anforderungen an Personal und Bohrtechnik definiert. Fragen Sie direkt nach dem Zertifikat und prüfen Sie die Gültigkeit, da es regelmäßig erneuert werden muss.
- Erfahrung mit lokalen BodenverhältnissenEin Betrieb, der in Ihrer Region regelmäßig bohrt, kennt die typischen Schichtenfolgen und kann Risiken besser einschätzen. Bitten Sie um Referenzprojekte in Ihrem Landkreis oder der nächsten Umgebung.
- Transparente Leistungsbeschreibung im AngebotEin seriöses Angebot enthält Bohrtiefe, Sondentyp, Verpressmaterial, Druckprüfung und Dokumentation als einzelne Positionen. Pauschalpakete ohne Aufschlüsselung machen einen späteren Vergleich und die Prüfung der erbrachten Leistung schwierig.
- Übernahme der GenehmigungsunterlagenEin erfahrener Betrieb kennt die zuständigen Behörden und die geforderten Unterlagen in Ihrem Bundesland. Prüfen Sie, ob die Genehmigungseinholung zum Leistungsumfang gehört oder separat beauftragt werden muss.
- Eigenes Bohrgerät statt SubunternehmerBetriebe mit eigenem Maschinenpark haben mehr Kontrolle über Termineinhaltung und Bohrqualität als Generalisten, die die Bohrarbeit weiterreichen. Fragen Sie, ob der Betrieb die Bohrung selbst ausführt.
- Vollständige Bohr- und DruckprüfprotokolleNach Abschluss der Arbeiten muss ein lückenloses Bohrprotokoll mit Schichtenverzeichnis und ein Druckprüfprotokoll übergeben werden. Das Fehlen dieser Unterlagen kann wasserrechtliche Konsequenzen haben und bei späteren Schadensfällen problematisch werden.
Angebote richtig vergleichen
Ein vollständiges Angebot für eine Erdwärmebohrung muss die Bohrtiefe je Sonde, die Anzahl der Sonden, den Sondentyp mit Rohrdurchmesser, die Verpressmasse mit Wärmeleitfähigkeit, die Druckprüfung sowie die Protokollierung als separate Positionen ausweisen. Ebenso sollte klar geregelt sein, wer die wasserrechtliche Genehmigung einholt und welche Behördengebühren darin enthalten sind. Positionen, die häufig fehlen oder erst nachträglich in Rechnung gestellt werden, sind Bohrplatzeinrichtung und Rückbau, Mehrkosten bei unerwartetem Fels oder Wasserzufluss sowie der Anschluss der Sonde an den Verteiler im Keller.
Für ein Einfamilienhaus mit einer oder zwei Sonden empfehlen sich mindestens drei Vergleichsangebote von Betrieben, die in Ihrer Region aktiv sind. Achten Sie darauf, dass alle Angebote dieselbe Bohrtiefe und denselben Sondentyp zugrunde legen, sonst ist ein Preisvergleich nicht aussagekräftig. Deutlich niedrigere Preise einzelner Anbieter lassen sich häufig auf eine andere Verpressmasse mit geringerer Wärmeleitfähigkeit oder fehlende Positionen zurückführen — beides kann die Effizienz der Wärmepumpe dauerhaft verringern.
Häufige Fragen
Was kostet eine Erdwärmebohrung?
Für ein Einfamilienhaus mit einer oder zwei Sonden müssen Sie in Deutschland mit Gesamtkosten von etwa 8.000 bis 20.000 EUR rechnen. Der Preis je Bohrmeter liegt je nach Untergrund zwischen 50 und 130 EUR, hinzu kommen Sonde, Verpressen, Genehmigung und Bohrplatzeinrichtung. Die genaue Zahl hängt von der benötigten Tiefe, der Geologie und der Anzahl der Sonden ab.
Wie tief muss man für eine Erdwärmebohrung?
Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit einer Heizlast von rund 10 kW sind in der Regel 100 bis 150 Meter Bohrtiefe je Sonde erforderlich. Maßgeblich ist die Entzugsleistung des Bodens pro Meter: Im Festgestein kann man mehr Energie entnehmen als in schwach wasserführenden Sanden, weshalb in schlechter leitfähigem Untergrund entweder tiefer gebohrt oder eine zweite Sonde gesetzt werden muss. Der Fachbetrieb ermittelt die erforderliche Tiefe anhand der Heizlastberechnung und der lokalen Geologie.
Was kostet eine Erdwärmebohrung pro Meter?
Der Bohrpreis je laufendem Meter liegt in Deutschland typischerweise zwischen 50 und 130 EUR, je nach Gesteinsart und Region. Im Lockergestein wie Sand und Kies sind 50 bis 70 EUR je Meter realistisch, im Festgestein wie Granit oder Kalkstein können es 80 bis 130 EUR sein. Dazu kommen die Kosten für Sonde und Verpressung, die noch einmal 20 bis 35 EUR je Meter ausmachen können.
Braucht man eine Genehmigung für eine Erdwärmebohrung?
Ja, Erdwärmebohrungen sind in ganz Deutschland genehmigungspflichtig und erfordern in der Regel eine wasserrechtliche Erlaubnis der zuständigen Unteren Wasserbehörde oder des Landratsamtes. Die Anforderungen und Bearbeitungszeiten unterscheiden sich je nach Bundesland erheblich. Viele Fachbetriebe übernehmen die Antragstellung, was den Prozess erheblich vereinfacht.
Wie lange dauert eine Erdwärmebohrung?
Eine einzelne Erdwärmebohrung mit anschließendem Einbau der Sonde und Verpressen dauert bei unkomplizierten Verhältnissen ein bis drei Arbeitstage. Bei Festgestein oder größerer Tiefe kann es auch fünf Tage und mehr dauern. Die Vorlaufzeit für Genehmigung und Terminvergabe beim Bohrfachbetrieb sollte mit mehreren Wochen bis Monaten eingeplant werden.
Wie viele Sonden brauche ich für mein Haus?
Die Anzahl der Sonden ergibt sich aus der Heizlast des Gebäudes und der Entzugsleistung des Bodens an Ihrem Standort. Für ein gut gedämmtes Einfamilienhaus mit rund 10 kW Heizlast reicht oft eine Sonde mit 100 bis 150 Metern Tiefe. Bei schlechter wärmeleitfähigem Untergrund oder größerem Wärmebedarf kann eine zweite Sonde erforderlich werden, was zugleich die Grundstücksfläche für die Bohranlage betrifft.
Kann eine Erdwärmebohrung abgelehnt werden?
Ja, die Genehmigung kann verweigert werden, wenn das Grundwasser am Standort besonders schutzbedürftig ist, etwa in Trinkwasserschutzgebieten der Zonen I und II. Auch bei bestimmten Schadstoffbelastungen im Boden oder wenn die geologischen Verhältnisse ein zu hohes Risiko für die Verbindung von Grundwasserstockwerken darstellen, wird die Erlaubnis nicht erteilt. In diesen Fällen kommen Alternativen wie Erdwärmekollektoren oder Luft-Wasser-Wärmepumpen in Betracht.