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Industriebau

Unternehmen des Industriebaus planen und errichten gewerbliche sowie industrielle Hochbauten wie Produktionshallen, Logistikzentren, Werkstätten und Bürogebäude. Wer einen Gewerbebau realisieren möchte, beauftragt diese Betriebe mit dem Rohbau oder der schlüsselfertigen Ausführung des gesamten Bauvorhabens.

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Was gehört zum Industriebau?

Industriebau-Unternehmen übernehmen die Planung, den Rohbau und häufig die schlüsselfertige Errichtung von gewerblich genutzten Gebäuden. Dazu zählen Produktions- und Lagerhallen, Logistikimmobilien, Werkstatthallen, Rechenzentren, Tankstellen und Bürogebäude auf Gewerbegeländen. Der Betrieb koordiniert alle Bauphasen von der Erdarbeiten und Fundamenten über das Stahl- oder Betontragsystem bis zum fertigen Gebäude.

Typische Auftragslagen sind Neubauten für produzierende Betriebe, Logistikunternehmen, den Einzelhandel oder die öffentliche Hand, aber auch Erweiterungen bestehender Werke und der Umbau oder die Revitalisierung älterer Industriegebäude. Viele Auftraggeber vergeben solche Projekte an einen Generalunternehmer, der sämtliche Gewerke koordiniert, oder an einen Generalübernehmer, der seinerseits spezialisierte Nachunternehmer einsetzt.

Der Industriebau grenzt sich vom klassischen Hochbau im Wohnungsbau durch die Anforderungen an Traglasten, Hallenhöhen, Kranbahnlasten, Brandschutzklassen und technische Gebäudeausrüstung ab. Der Tiefbau, also Erdarbeiten, Entwässerung und Fundamente, gehört zwar oft zum Leistungsumfang, wird aber je nach Betrieb von Spezialunternehmen als Nachunternehmer ausgeführt. Architekten und Tragwerksplaner liefern die Planung, wenn das Industriebau-Unternehmen nicht selbst eine eigene Planungsabteilung vorhält.

Leistungen im Überblick

Industriebau-Betriebe decken je nach Aufstellung ein breites Spektrum ab, das vom reinen Rohbau bis zur schlüsselfertigen Übergabe reicht.

  • Schlüsselfertiger GewerbebauDas Unternehmen übernimmt als Generalunternehmer alle Gewerke von der Planung bis zur Übergabe aus einer Hand. Der Auftraggeber hat einen einzigen Ansprechpartner und ein festes Vertragswerk für das Gesamtprojekt.
  • Stahlbau und StahlbetonkonstruktionenIndustriehallen werden überwiegend als Stahl- oder Stahlbetonskelett errichtet. Das umfasst Stützen, Binder, Pfetten und aussteifende Verbände, die auf die jeweiligen Spannweiten und Traglasten ausgelegt werden.
  • Hallen- und FassadensystemeWand- und Dachflächen werden als Sandwich-Elementkonstruktion, Trapezblech-Dämmkonstruktion oder Mauerwerk ausgeführt. Die Wahl des Systems beeinflusst Wärmedämmung, Brandschutz und Bauzeit erheblich.
  • Fundamente und BodenplattenStahl- und Stahlbetonkonstruktionen erfordern lastabtragend dimensionierte Fundamente und bewehrte Industrieböden, die Staplerverkehr, Regalsysteme und Maschinenfundamente aufnehmen können.
  • Erweiterungsbau und AnbauBestehende Produktions- oder Lagerflächen werden durch Anbauten oder aufgestockte Geschosse erweitert. Dabei muss die neue Konstruktion statisch und brandschutztechnisch an das vorhandene Gebäude angebunden werden.
  • Planung und GenehmigungsmanagementViele Industriebau-Betriebe bieten eigene Planungsleistungen oder die Koordination von Architekten und Ingenieuren an und begleiten den Bauherrn durch das Baugenehmigungsverfahren.
  • Umbau und RevitalisierungÄltere Industriegebäude werden für neue Nutzungen ertüchtigt, was statische Eingriffe, neue Brandschutzkonzepte und die Anpassung der Gebäudehülle an aktuelle Energiestandards einschließen kann.

Was kostet Industriebau?

Im Industriebau werden Leistungen fast ausschließlich über Einheitspreise oder Pauschalverträge abgerechnet, nicht nach Stundenlohn. Entscheidende Kostentreiber sind Gebäudegröße, Konstruktionsart, Ausbaustandard, Bodenverhältnisse und die Lage des Baugrundstücks.

LeistungRichtpreisWas den Preis bestimmt
Einfache Lagerhalle, Stahlbau, ungedämmt 280-420 EUR/m2 BGF Spannweite, Traufhöhe und Ausstattung (Tore, Entwässerung) bestimmen den Preis
Produktionshalle, gedämmt, mit Büroanteil 600-950 EUR/m2 BGF Technische Gebäudeausrüstung, Kranbahn und Ausbaustandard treiben die Kosten
Logistikzentrum, schlüsselfertig 700-1.100 EUR/m2 BGF Docktore, Sprinkleranlage und Hochregaleignung erhöhen den Ansatz deutlich
Industrieboden, bewehrt, nutzlaststark 40-80 EUR/m2 Bewehrungsgrad, Oberflächenbehandlung und Untergrundvorbereitung variieren stark
Generalunternehmer-Zuschlag auf Gesamtbausumme 8-15 % Umfasst Koordination, Haftung und Gewährleistung aus einer Hand
Planung und Genehmigung (Honorar) 8-12 % der Bausumme Abhängig von Leistungsphasen nach HOAI und Projektumfang

Alle Angaben sind Richtwerte für Deutschland 2026 ohne Mehrwertsteuer. Regionale Unterschiede in Lohnkosten, Materialpreisen und lokaler Nachfragesituation können die tatsächlichen Kosten um 15 bis 25 Prozent nach oben oder unten verschieben.

Woran Sie einen guten Anbieter für Industriebau erkennen

Die Wahl des richtigen Unternehmens ist bei Gewerbebauvorhaben besonders kritisch, weil Planungs- und Ausführungsfehler im Industriebau kostspielige Betriebsunterbrechungen verursachen können.

  1. Nachweisbare Referenzen im GewerbebauFordern Sie Referenzlisten mit abgeschlossenen Projekten vergleichbarer Größe und Nutzungsart an. Fragen Sie direkt bei den genannten Auftraggebern nach, ob Kosten, Termine und Qualität eingehalten wurden.
  2. Eigene Kapazitäten versus Nachunternehmer-KetteKlären Sie, welche Gewerke der Betrieb mit eigenem Personal ausführt und welche er weitervergibt. Ein Generalunternehmer mit belastbarem Nachunternehmer-Netzwerk ist legitim, aber Sie sollten wissen, wer tatsächlich auf Ihrer Baustelle arbeitet.
  3. Transparenz im AngebotEin seriöses Angebot schlüsselt alle Leistungen nach Gewerken und Massen auf. Pauschalangebote ohne Leistungsverzeichnis machen spätere Nachtragsstreitigkeiten wahrscheinlicher.
  4. Bonität und VersicherungsschutzVerlangen Sie einen Nachweis der Betriebshaftpflichtversicherung und, bei größeren Projekten, eine Bankauskunft oder Bonitätsauskunft. Insolvenzen von Generalunternehmern in laufenden Projekten kommen vor und sind für Auftraggeber teuer.
  5. Erfahrung mit Behörden und GenehmigungenEin erfahrener Betrieb kennt die zuständigen Behörden, typische Auflagen für gewerbliche Bauvorhaben und gängige Verzögerungen im Genehmigungsverfahren. Fragen Sie, wie viele Baugenehmigungen der Betrieb in den letzten Jahren selbst begleitet hat.
  6. Klare Vertragsgestaltung mit FestpreisregelungIm Industriebau sind GMP-Verträge (Guaranteed Maximum Price) oder echte Pauschalfestpreisverträge die sicherere Variante für den Auftraggeber. Prüfen Sie, ob Nachtragsregelungen, Baukostenindexklauseln und Zahlungsplan im Vertrag eindeutig geregelt sind.

Angebote richtig vergleichen

Ein vollständiges Angebot im Gewerbebau muss ein detailliertes Leistungsverzeichnis oder zumindest eine Baubeschreibung enthalten, aus der Konstruktionsart, Materialstandards, Ausbaustufe, eingebaute Fabrikate und der genaue Leistungsumfang hervorgehen. Fehlen Angaben zu Erdarbeiten, Entwässerung, Außenanlagen, Leitungsverlegung oder technischer Gebäudeausrüstung, sind das typische Positionen, die später als Nachtrag in Rechnung gestellt werden. Achten Sie außerdem darauf, ob Baustelleneinrichtung, Vermessung, Prüfstatik, Bodengutachten und Baugenehmigungsgebühren im Angebot enthalten sind oder separat anfallen.

Für Gewerbebauvorhaben ab einer Bausumme von rund 500.000 EUR sollten Sie mindestens drei vollständige Angebote einholen, die auf identischen Ausschreibungsunterlagen basieren. Nur so lassen sich Preise tatsächlich vergleichen. Weichen Angebote stark voneinander ab, liegt das häufig daran, dass Bieter unterschiedliche Leistungsumfänge kalkuliert haben. Lassen Sie sich in diesem Fall die wesentlichen Unterschiede schriftlich erläutern, bevor Sie eine Entscheidung treffen.

Häufige Fragen

Was kostet ein Gewerbebau mit Generalunternehmer und wie läuft das Verfahren ab?

Die Kosten für einen schlüsselfertigen Gewerbebau über einen Generalunternehmer liegen je nach Ausbaustandard, Konstruktionsart und Region zwischen 600 und 1.100 EUR pro m2 Bruttogeschossfläche, zuzüglich eines GU-Zuschlags von typischerweise 8 bis 15 Prozent auf die Gesamtbausumme. Der Ablauf beginnt mit der Bedarfsermittlung und Grundstücksprüfung, gefolgt von Entwurfsplanung, Einholung der Baugenehmigung und Ausschreibung, bevor die eigentliche Bauausführung startet. Die Gesamtdauer von der Beauftragung bis zur Übergabe beträgt bei mittelgroßen Projekten in der Regel 12 bis 24 Monate.

Was ist der Unterschied zwischen einem Generalunternehmer und einem Generalübernehmer im Gewerbebau?

Ein Generalunternehmer führt wesentliche Teile des Bauvorhabens mit eigenem Personal aus und vergibt nur Spezialgewerke an Nachunternehmer. Ein Generalübernehmer hingegen erbringt selbst keine oder kaum Bauleistungen, sondern organisiert und koordiniert ausschließlich Nachunternehmer. Für den Auftraggeber ist in beiden Fällen nur ein Vertragspartner zuständig, allerdings trägt der Generalübernehmer ein höheres Koordinationsrisiko, das sich im Aufschlag niederschlägt.

Welche Unterlagen brauche ich, um einen Gewerbebau beauftragen zu können?

Für die Angebotsanfrage benötigen Sie zumindest ein Grundstück oder Planungsstandort, eine Baubeschreibung mit Nutzungskonzept, Flächenbedarf und gewünschtem Ausbaustandard sowie ein aktuelles Bodengutachten. Für die Baugenehmigung sind zusätzlich Lageplan, Bauzeichnungen und Berechnungen durch einen Architekten oder Bauingenieur erforderlich. Viele Industriebau-Betriebe unterstützen Sie bei der Zusammenstellung dieser Unterlagen, wenn sie auch die Planung übernehmen.

Wie lange dauert eine Baugenehmigung für einen Gewerbebau in Deutschland?

Die Bearbeitungszeiten variieren je nach Bundesland und Behörde erheblich, liegen aber in der Praxis häufig zwischen 3 und 12 Monaten. Komplexe Vorhaben mit Umweltverträglichkeitsprüfung, Lärmschutzgutachten oder Bebauungsplanänderung können deutlich länger dauern. Eine frühzeitige Voranfrage bei der zuständigen Baugenehmigungsbehörde hilft, den Zeitplan realistisch einzuschätzen.

Welche Vertragsform ist bei einem Gewerbebau empfehlenswert?

Für Auftraggeber bietet ein Pauschalfestpreisvertrag die größte Kostensicherheit, da der Gesamtpreis vertraglich fixiert ist und Nachtragsrisiken begrenzt werden. Alternativ ist ein GMP-Vertrag (Guaranteed Maximum Price) sinnvoll, der eine Kostenobergrenze definiert und Einsparungen zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer teilt. Einheitspreisverträge sind flexibler, setzen aber voraus, dass der Leistungsumfang vollständig beschrieben ist, da sich Mengenmehrungen direkt auf die Gesamtkosten auswirken.

Brauche ich für einen Gewerbebau einen eigenen Architekten oder übernimmt das der Generalunternehmer?

Viele Generalunternehmer im Industriebau verfügen über eigene Planungsabteilungen oder arbeiten eng mit festen Planungspartnern zusammen, sodass Sie keinen eigenen Architekten beauftragen müssen. Es kann dennoch sinnvoll sein, einen unabhängigen Architekten oder Projektsteuerer auf der Auftraggeberseite einzusetzen, der Ihre Interessen vertritt, die Planung prüft und die Bauausführung kontrolliert. Gerade bei größeren Vorhaben reduziert eine unabhängige Bauüberwachung das Risiko von Qualitätsmängeln und Kostenüberschreitungen.

Welche Folgekosten entstehen nach der Fertigstellung eines Gewerbebaus?

Nach der Übergabe fallen laufende Kosten für Instandhaltung, Betrieb der technischen Anlagen, Versicherungen und gegebenenfalls Grundsteuer an. Die Instandhaltungskosten für Industriegebäude werden üblicherweise mit 1 bis 2 Prozent des Gebäudewertes pro Jahr veranschlagt. Zusätzlich sollten Sie Rücklagen für größere Maßnahmen wie Dachsanierung oder Fassadenerneuerung einplanen, die nach 20 bis 30 Jahren typischerweise anfallen.