Arbeits- und Schutzgerüste für Sanierung und Neubau.
Gerüstbau
Gerüstbaufirmen errichten, vermieten und demontieren Arbeits-, Schutz- und Fassadengerüste für Baustellen aller Art. Beauftragt werden sie immer dann, wenn Arbeiten an Fassaden, Dächern oder im Hochbau sicher und regelkonform in der Höhe ausgeführt werden müssen.
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Was macht ein Gerüstbauer?
Gerüstbauer planen, montieren und sichern temporäre Arbeitsbühnen aus Stahl- oder Aluminiumrohren sowie Systemgerüsten. Dabei richten sie sich nach den Vorgaben der DGUV-Vorschrift 38 und der DIN EN 12811, die Tragfähigkeit, Absturzsicherung und Standfestigkeit regeln. Je nach Bauvorhaben entstehen Fassadengerüste, Raumgerüste, Traggerüste für Betonarbeiten oder Schutznetzkonstruktionen.
Typische Auftragslagen sind Fassadensanierungen, Dachdecker- und Zimmererarbeiten, Malerarbeiten an Außenfassaden sowie Neubaumaßnahmen im Hochbau. Aber auch Industriebetriebe, Energieversorger und die öffentliche Hand beauftragen Gerüstbauer für Wartungsarbeiten an Hallen, Türmen oder Brücken. Häufig koordiniert das Gerüstbauunternehmen den Aufbau mit mehreren Folgegewerken, da dasselbe Gerüst für Maurer, Putzer und Maler genutzt wird.
Die Abgrenzung zu anderen Gewerken ist klar: Gerüstbauer stellen die Zugänglichkeit her, führen aber keine Bau- oder Ausbauarbeiten selbst durch. Dachdecker, Maler oder Fassadenbauer sind auf das fertige Gerüst angewiesen und dürfen es nach Übergabe nutzen, es aber nicht eigenmächtig umbauen. Für kleinere Höhenarbeiten bis etwa drei Metern setzen Betriebe manchmal fahrbare Arbeitsbühnen oder Aluleitertürme ein, die nicht zwingend von einem Gerüstbauunternehmen gestellt werden müssen.
Leistungen im Überblick
Gerüstbauunternehmen decken alle Leistungen rund um die temporäre Absturzsicherung und Zugänglichkeit auf Baustellen ab.
- FassadengerüstDas klassische Arbeitsgerüst entlang einer Gebäudeaußenwand ermöglicht es, Fassaden, Fenster und Dächer sicher zu erreichen. Es wird nach Gebäudehöhe und -grundriss dimensioniert und in der Regel je nach Standzeit in Wochen oder Monaten abgerechnet.
- Raumgerüst und InnengerüstFür Arbeiten in großen Hallen, Kirchen oder Treppenhäusern werden freistehende Raumgerüste eingebaut, die ohne Wandbefestigung auskommen. Sie sind tragfähiger ausgelegt als einfache Fassadengerüste und erfordern eine exakte Lastberechnung.
- Schutz- und DachfanggerüstSchutzgerüste sichern Fußgänger und benachbarte Flächen vor herabfallenden Materialien oder Werkzeug. Dachfanggerüste werden direkt unterhalb der Traufe montiert und sind speziell für Dachdeckerarbeiten vorgeschrieben.
- Traggerüst für BetonbauBei Rohbauarbeiten werden Traggerüste eingesetzt, die die Last frischer Betondecken oder Schalungen tragen, bis der Beton ausgehärtet ist. Diese Konstruktionen unterliegen besonders strengen statischen Anforderungen.
- Gerüstvermietung und StandzeitNeben Auf- und Abbau beinhaltet der Auftrag meist eine vereinbarte Standzeit, in der das Gerüst auf der Baustelle verbleibt. Verlängerungen der Standzeit werden gesondert berechnet und sollten vertraglich klar geregelt sein.
- Gerüstum- und -anpassungLaufende Baustellen erfordern häufig Umbauten des Gerüsts, etwa wenn ein Fenster ausgetauscht oder ein Gerüstabschnitt verschoben werden muss. Solche Nacharbeiten gelten als gesonderte Leistung und sind nicht automatisch im Grundpreis enthalten.
- Gerüstprüfung und ÜbergabeNach der Montage übergibt der Gerüstbauer das Gerüst formal an den Auftraggeber oder das Folgegewerk und dokumentiert die Prüfung nach DGUV-Vorschrift. Ohne diese Übergabe darf das Gerüst nicht genutzt werden.
Was kostet Gerüstbau?
Gerüstbau wird überwiegend nach Gerüstfläche in m2 oder nach Laufmetern abgerechnet, nicht nach Stundenlohn. Der Preis hängt wesentlich von der Gerüsthöhe, der Zugänglichkeit des Gebäudes, der vereinbarten Standzeit und dem Gerüstyp ab.
| Leistung | Richtpreis | Was den Preis bestimmt |
|---|---|---|
| Fassadengerüst, einfache Einfamilienhausfassade | 6-12 EUR/m2 | Preis je m2 Gerüstfläche, inkl. Auf- und Abbau, 4 Wochen Standzeit |
| Fassadengerüst, mehrgeschossiges Wohn- oder Geschäftsgebäude | 10-18 EUR/m2 | Höhere Gerüste und schwerer zugängliche Fassaden treiben den Preis |
| Dachfanggerüst | 12-22 EUR/lfd. m | Abrechnung je Laufmeter Traufe; Mehrpreis gegenüber Standardgerüst durch erhöhte Sicherheitsanforderungen |
| Raumgerüst / Innengerüst | 8-20 EUR/m2 | Spanne stark abhängig von Raumhöhe und Komplexität der Konstruktion |
| Standzeit-Verlängerung | 1-3 EUR/m2 je Woche | Wird fällig, wenn vereinbarte Standzeit überschritten wird; unbedingt vorab regeln |
| Mindermengenzuschlag bei kleinen Gerüsten | 150-400 EUR pauschal | Viele Betriebe berechnen einen Mindestauftragswert, wenn die Gerüstfläche unter ca. 50 m2 liegt |
Die genannten Preise sind Richtwerte auf Basis marktüblicher Konditionen in Deutschland 2026. Regional können die Preise, besonders in Ballungsräumen wie München, Hamburg oder Frankfurt, um 20 bis 30 Prozent über diesen Werten liegen.
Woran Sie einen guten Gerüstbauer erkennen
Ein zuverlässiger Gerüstbaubetrieb erfüllt klare fachliche und organisatorische Mindestanforderungen, die Sie vor der Beauftragung prüfen können.
- Zulassung und FachbetriebsnachweisGerüstbauarbeiten dürfen nur von Betrieben mit qualifiziertem Personal ausgeführt werden. Fragen Sie nach dem Nachweis, dass verantwortliche Mitarbeiter die Ausbildung zum Gerüstbauer oder eine gleichwertige Qualifikation abgeschlossen haben.
- HaftpflichtversicherungJedes seriöse Gerüstbauunternehmen verfügt über eine Betriebshaftpflichtversicherung, die Schäden am Gebäude, an Dritten und auf angrenzenden Grundstücken abdeckt. Lassen Sie sich die Police oder eine aktuelle Versicherungsbestätigung vor Auftragserteilung zeigen.
- Detailliertes schriftliches AngebotEin seriöser Betrieb legt ein Angebot vor, das Gerüsttyp, Gerüstfläche in m2, Standzeit, An- und Abfahrtspauschale sowie etwaige Sonderpositionen einzeln aufführt. Pauschalen ohne Aufschlüsselung erschweren den Vergleich und können zu Nachforderungen führen.
- Ortsbesichtigung vor der AngebotserstellungProfessionelle Betriebe besichtigen das Objekt vor dem Angebot persönlich oder verlangen zumindest aussagekräftige Fotos und Maßangaben. Ein Angebot auf Zuruf ohne Ortskenntnis ist selten verlässlich und führt häufig zu Nachträgen.
- Klare Regelung zur GerüstübergabeFragen Sie, ob die formale Gerüstübergabe mit Übergabeprotokoll im Leistungsumfang enthalten ist. Ohne Übergabe nach DGUV-Vorschrift 38 dürfen Folgegewerke das Gerüst nicht betreten, was zu Verzögerungen führt.
- Erreichbarkeit und ReaktionszeitAuf einer aktiven Baustelle kann ein beschädigtes oder verändertes Gerüst schnell zum Sicherheitsproblem werden. Ein guter Betrieb nennt im Voraus eine direkte Ansprechperson und eine realistische Reaktionszeit für Reparatur- oder Umbaueinsätze.
Angebote richtig vergleichen
Ein vollständiges Gerüstbauangebot muss mindestens folgende Positionen einzeln ausweisen: Gerüsttyp und Gerüstsystem, die abgerechnete Gerüstfläche in m2 oder Laufmeter, die vereinbarte Standzeit in Wochen, An- und Abfahrtkosten, Kosten für Schutznetze oder Planen falls erforderlich sowie die Konditionen für Standzeit-Verlängerungen. Posten, die in günstigen Angeboten häufig fehlen und später teuer nachberechnet werden, sind Umbauleistungen während der Bauphase, die An- und Abfahrtpauschale sowie Zuschläge für schwer zugängliche Fassadenabschnitte mit Treppenstufen, Erker oder dichten Bepflanzungen.
Holen Sie mindestens drei Angebote ein, damit Sie ein realistisches Preisniveau für Ihr Objekt einschätzen können. Vergleichen Sie dabei nicht nur den Gesamtpreis, sondern prüfen Sie, ob alle Angebote dieselbe Gerüstfläche, denselben Gerüsttyp und dieselbe Standzeit zugrunde legen. Ein Angebot, das deutlich unter den anderen liegt, hat häufig einzelne Positionen weggelassen oder eine kürzere Standzeit kalkuliert als tatsächlich benötigt.
Häufige Fragen
Was kostet ein Gerüstbau?
Für ein einfaches Fassadengerüst am Einfamilienhaus sollten Sie mit 6 bis 12 EUR je m2 Gerüstfläche rechnen, inklusive Auf- und Abbau sowie einer Standzeit von vier Wochen. Bei einem typischen Einfamilienhaus mit rund 150 m2 Gerüstfläche ergibt das Gesamtkosten zwischen 900 und 1.800 EUR. Bei mehrgeschossigen Gebäuden, schwer zugänglichen Fassaden oder Sondergerüsten wie Dachfanggerüsten steigen die Preise auf 10 bis 22 EUR je m2 an. Für eine verlässliche Zahl brauchen Sie immer ein objektbezogenes Angebot.
Was sind die Vorteile von modularem Gerüstbau?
Modulare Gerüstsysteme wie Rahmengerüste oder Kupplungsgerüste lassen sich flexibler an unregelmäßige Gebäudeformen, Erker und Treppenstufen anpassen als einfache Stangengerüste. Das spart Zeit beim Auf- und Abbau und erlaubt es, das Gerüst während der Standzeit leichter umzubauen, wenn sich der Bauablauf ändert. Für Auftraggeber bedeutet das in der Regel weniger Nachträge bei komplexen Fassaden und eine höhere Planungssicherheit. Der Materialaufwand ist allerdings höher, weshalb der m2-Preis bei Systemgerüsten leicht über dem einfacher Konstruktionen liegen kann.
Wie lange dauert der Auf- und Abbau eines Gerüsts?
Für ein Fassadengerüst am Einfamilienhaus planen erfahrene Betriebe in der Regel einen halben bis einen ganzen Arbeitstag für den Aufbau ein. Größere Objekte mit 500 m2 Gerüstfläche und mehr können zwei bis drei Tage in Anspruch nehmen. Der Abbau ist erfahrungsgemäß etwas schneller als der Aufbau. Fragen Sie den Betrieb bei der Angebotsanfrage direkt nach der geplanten Montagezeit, da diese Ihren Bauablauf mit Folgegewerken beeinflusst.
Wer ist für das Gerüst auf meiner Baustelle verantwortlich?
Nach der formalen Übergabe trägt der Auftraggeber oder Bauherr die Verantwortung dafür, dass das Gerüst nicht unbefugt genutzt oder eigenmächtig verändert wird. Der Gerüstbaubetrieb haftet für die ordnungsgemäße Errichtung und Übergabe nach DGUV-Vorschrift 38. Folgegewerke wie Maler oder Dachdecker dürfen das Gerüst nutzen, dürfen aber keinerlei Veränderungen vornehmen. Bei Schäden oder sicherheitsrelevanten Veränderungen muss sofort der Gerüstbaubetrieb informiert werden.
Was passiert, wenn das Gerüst länger stehen muss als vereinbart?
Standzeit-Verlängerungen werden in der Regel mit 1 bis 3 EUR je m2 und Woche berechnet. Dieser Posten wird von vielen Auftraggebern unterschätzt, kann aber bei Bauverzögerungen schnell dreistellige Zusatzkosten verursachen. Klären Sie deshalb vor Vertragsabschluss, ab wann die Verlängerung gilt, ob eine automatische Verlängerung gilt oder eine Kündigung nötig ist, und ob eine Mindeststandzeit berechnet wird.
Benötige ich eine Genehmigung für ein Gerüst an der Straße?
Sobald ein Gerüst in den öffentlichen Straßen- oder Gehwegbereich ragt, ist in Deutschland eine Sondernutzungserlaubnis bei der zuständigen Gemeinde oder dem Straßenbauamt erforderlich. Die Gebühren variieren je nach Gemeinde, Dauer und beanspruchter Fläche und liegen häufig zwischen 50 und mehreren Hundert EUR pro Monat. Seriöse Gerüstbauunternehmen kennen das Genehmigungsverfahren und unterstützen bei der Antragstellung, übernehmen die Genehmigung aber meist nicht ohne gesonderte Vereinbarung.
Kann ich ein Gerüst auch nur mieten, ohne Auf- und Abbau?
Die reine Materialmiete ohne Montage ist bei gewerblichen Gerüstbauern nur selten möglich, da das Aufstellen von Gerüsten ab einer bestimmten Größe und Höhe durch qualifiziertes Fachpersonal erfolgen muss. Für sehr kleine Konstruktionen bis zu einer Arbeitshöhe von etwa drei Metern gibt es in Baumärkten und Verleihstationen fahrbare Alutürme zur Selbstmontage. Bei Gerüsten für Fassadenarbeiten an Wohngebäuden sollten Sie jedoch immer einen Fachbetrieb beauftragen, da Fehler bei der Montage direkte Haftungsfolgen haben können.