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Blitzschutz

Blitzschutzfachbetriebe planen, installieren und prüfen Blitzschutzanlagen, die Gebäude, technische Anlagen und Personen vor den direkten und indirekten Folgen eines Blitzeinschlags schützen. Man beauftragt sie beim Neubau, bei der Nachrüstung bestehender Gebäude sowie zur wiederkehrenden Prüfung vorhandener Anlagen.

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Was gehört zum Blitzschutz?

Blitzschutzfachbetriebe befassen sich mit dem äußeren und dem inneren Blitzschutz von Gebäuden und technischen Anlagen. Der äußere Blitzschutz umfasst Fangeinrichtungen auf dem Dach, Ableitungen an der Fassade und Erdungsanlagen im Boden, die den Blitzstrom sicher in die Erde ableiten. Der innere Blitzschutz schützt elektrische und elektronische Geräte vor den gefährlichen Überspannungen, die ein Blitz in der Umgebung verursacht, und besteht im Wesentlichen aus Überspannungsschutzgeräten in den Verteilungen.

Typische Auftragslagen sind Neubauten, bei denen der Blitzschutz bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden muss, sowie Bestandsgebäude, bei denen eine bestehende Anlage erneuert, erweitert oder erstmals nachgerüstet werden soll. Darüber hinaus gehören wiederkehrende Prüfungen zu den regelmäßigen Aufgaben: Normen und Versicherungsbedingungen schreiben je nach Gefährdungsklasse Prüfintervalle von zwei bis vier Jahren vor. Nach einem Umbau oder Dachausbau muss die Anlage außerdem angepasst werden.

Blitzschutz ist ein eigenständiges Gewerk innerhalb der Technischen Gebäudeausrüstung. Elektroinstallateure führen in der Regel nur den inneren Überspannungsschutz aus, nicht aber die vollständige Blitzschutzanlage nach DIN EN 62305. Dachdeckerbetriebe verlegen gelegentlich Fangstangen und Ableitungen mechanisch, die elektrische Planung und Abnahme obliegt jedoch dem Blitzschutzfachbetrieb. Für baugenehmigungspflichtige Anlagen, Sondergebäude oder Anlagen mit erhöhtem Risiko wird zudem häufig ein Blitzschutzplaner als unabhängiger Sachverständiger hinzugezogen.

Leistungen im Überblick

Blitzschutzfachbetriebe decken alle Leistungen von der Planung bis zur Prüfbescheinigung ab.

  • Planung und RisikoanalyseAuf Grundlage von DIN EN 62305-2 wird das Blitzschutzrisiko des Gebäudes berechnet und die erforderliche Schutzklasse (I bis IV) festgelegt. Das Ergebnis bestimmt Dichte und Ausführung aller nachfolgenden Schutzmaßnahmen.
  • Äußere BlitzschutzanlageDazu gehören Fangeinrichtungen wie Fangstangen und Fangdrähte auf dem Dach, Ableitungen aus Rundstahl oder Flachband an der Fassade sowie Erdungsanlagen im Fundamentbereich oder als Ringerder im Erdreich. Materialien sind üblicherweise verzinkter Stahl, Edelstahl oder Kupfer.
  • Innerer Blitzschutz und ÜberspannungsschutzÜberspannungsschutzgeräte in den Hauptverteilungen, Unterverteilungen und an empfindlichen Endgeräten verhindern, dass Blitzstrom über das Stromnetz oder Datenleitungen Schäden anrichtet. Die Auslegung erfolgt nach dem Prinzip gestaffelter Schutzpegel (Typ 1, 2 und 3).
  • Fundamenterder und ErdungsanlagenDer Fundamenterder wird vor dem Betonieren in die Bodenplatte eingebracht und gilt als wirksamste und kostengünstigste Erdungsmaßnahme im Neubau. Bei Bestandsgebäuden ohne Fundamenterder werden Tiefenerder oder Ringerder nachträglich in das Erdreich eingebracht.
  • Nachrüstung und SanierungVeraltete Anlagen werden auf den Stand der aktuellen Norm gebracht, etwa wenn sich die Gebäudenutzung geändert hat, empfindliche Elektronik nachträglich eingebaut wurde oder die alte Anlage korrodiert oder beschädigt ist.
  • Wiederkehrende Prüfung und DokumentationNach Abschluss der Arbeiten und in festgelegten Prüfintervallen wird die gesamte Anlage messtechnisch überprüft und ein Prüfbericht ausgestellt. Dieser Nachweis ist für Versicherungen und behördliche Anforderungen erforderlich.
  • Schutz von Photovoltaikanlagen und GebäudetechnikPV-Anlagen auf dem Dach verändern die Blitzschutzzone und erfordern häufig eine Anpassung der bestehenden Fangeinrichtungen sowie zusätzlichen DC-seitigen Überspannungsschutz. Dasselbe gilt für Lüftungsanlagen, Aufzüge und andere technische Installationen.

Was kostet ein Blitzschutz?

Die Abrechnung erfolgt bei kleineren Arbeiten und Prüfungen oft nach Stundensatz, bei klar definierten Installationsleistungen hingegen nach Einheitspreisen für Meter Ableitung, Stück Fangstange oder Pauschalpreisen für die Gesamtanlage. Hauptkostentreiber sind die Gebäudegröße und -geometrie, die Schutzklasse, das gewählte Leitermaterial sowie der Aufwand für die Erdung.

LeistungRichtpreisWas den Preis bestimmt
Stundensatz Fachbetrieb 65-95 EUR/Stunde Je nach Region und Betriebsgröße, Mindermengenzuschläge bei kleinen Aufträgen möglich
Fundamenterder (Neubau) 8-18 EUR/lfd. m Material und Verlegen vor dem Betonieren; günstiger als nachträgliche Erdung
Ableitung an der Fassade 12-25 EUR/lfd. m Abhängig von Material (Stahl, Kupfer), Befestigungsart und Zugänglichkeit
Fangstangen und Dachinstallation 80-250 EUR/Stück Preis steigt mit Länge, Mastmaterial und Dachzugänglichkeit
Komplette Blitzschutzanlage Einfamilienhaus 2.500-6.000 EUR Pauschal inkl. Material; stark abhängig von Dachform, Schutzklasse und Erdungsaufwand
Wiederkehrende Prüfung Einfamilienhaus 150-350 EUR Inkl. Messtechnik und Prüfbericht; größere Gebäude werden nach Aufwand abgerechnet

Die genannten Preise sind Richtwerte für Deutschland und können je nach Region, Materialpreisen und individueller Bausituation erheblich abweichen. Verbindliche Angaben erhalten Sie nur über ein schriftliches Angebot eines Fachbetriebs nach Besichtigung des Objekts.

Woran Sie einen guten Betrieb für Blitzschutz erkennen

Nicht jeder Elektrobetrieb ist für Blitzschutzanlagen nach DIN EN 62305 qualifiziert — achten Sie auf konkrete Nachweise.

  1. Nachweis als BlitzschutzfachkraftSuchen Sie nach Betrieben, deren Mitarbeiter eine anerkannte Blitzschutzfachkraft-Ausbildung absolviert haben, etwa durch den VdS, den TÜV oder vergleichbare Institutionen. Fragen Sie nach einem entsprechenden Zertifikat oder Schulungsnachweis.
  2. Kenntnis der geltenden NormenDie maßgebliche Normenreihe ist DIN EN 62305 (Blitzschutz, Teile 1-4). Ein seriöser Betrieb benennt die zutreffenden Normenteile im Angebot und kann erklären, welche Schutzklasse für Ihr Gebäude ermittelt wurde und warum.
  3. Vollständige Dokumentation und PrüfberichtNach Abschluss der Arbeiten muss der Betrieb eine vollständige Anlagendokumentation mit Bestandsplan und einen messtechnischen Prüfbericht übergeben. Fehlen diese Unterlagen, ist die Anlage für Versicherungen und Behörden wertlos.
  4. Referenzen und vergleichbare ProjekteFragen Sie nach ausgeführten Projekten ähnlicher Art und Größe, zum Beispiel Wohngebäude, Industriehalle oder Kirchturm. Betriebe mit einschlägiger Erfahrung können konkrete Referenzobjekte benennen, idealerweise mit Ansprechpartner.
  5. Transparentes, vollständiges AngebotEin gutes Angebot schlüsselt Material, Lohnstunden, Fahrtkosten und die Prüfleistung einzeln auf. Pauschalangebote ohne Positionsaufstellung machen es unmöglich, nachzuvollziehen, was tatsächlich geleistet wird.
  6. Berücksichtigung des gesamten SchutzkonzeptsEin qualifizierter Betrieb bespricht sowohl den äußeren als auch den inneren Blitzschutz und gibt eine Empfehlung zum Überspannungsschutz. Wer nur die Dachanlage anbietet und den Überspannungsschutz nicht anspricht, liefert ein unvollständiges Konzept.

Angebote richtig vergleichen

Ein seriöses Angebot für eine Blitzschutzanlage muss die ermittelte Schutzklasse nach DIN EN 62305-2 nennen, alle Materialien mit Werkstoff und Länge aufführen, die Anzahl der Fangstangen und Ableitungen ausweisen, die Art der Erdungsanlage beschreiben und die abschließende Prüfleistung mit Prüfbericht als eigene Position enthalten. Fehlen Positionen wie Erdung, Potenzialausgleichsverbinder an metallenen Dachaufbauten oder der innere Überspannungsschutz, können diese nachträglich als Nachtrag in Rechnung gestellt werden. Achten Sie auch darauf, ob die Fahrtkosten bereits enthalten sind oder separat berechnet werden.

Für ein Einfamilienhaus sind zwei bis drei Angebote ein sinnvoller Rahmen. Bei größeren Objekten, bei Sondergebäuden oder wenn eine unabhängige Abnahme durch einen Sachverständigen vorgesehen ist, kann es ratsam sein, die Planungsleistung vom ausführenden Betrieb zu trennen. Vergleichen Sie Angebote nicht allein nach dem Gesamtpreis, sondern prüfen Sie, ob die ausgeschriebenen Leistungen und Materialien identisch sind — günstigere Angebote verwenden häufig einfachere Leiterwerkstoffe oder sehen weniger Ableitungen vor, was die Schutzwirkung beeinflusst.

Häufige Fragen

Ist eine Blitzschutzanlage für Wohngebäude gesetzlich vorgeschrieben?

Eine generelle gesetzliche Pflicht zur Blitzschutzanlage für private Wohngebäude gibt es in Deutschland nicht. Für bestimmte Gebäudekategorien — etwa Krankenhäuser, Schulen, Hochhäuser, explosive Bereiche oder Gebäude mit erhöhtem Personenrisiko — schreiben jedoch Landesbauordnungen, technische Regeln oder Betreibervorschriften eine Anlage vor. Ob Ihr Gebäude betroffen ist, klärt ein Blitzschutzfachbetrieb im Rahmen einer Risikoanalyse nach DIN EN 62305-2.

Übernimmt die Versicherung die Kosten für die Blitzschutzanlage?

Die Installationskosten für eine Blitzschutzanlage werden in der Regel nicht von der Gebäude- oder Hausratversicherung übernommen, da es sich um eine Investition in den Schutz handelt, nicht um einen Schadensfall. Allerdings kann eine fehlende oder mangelhafte Blitzschutzanlage im Schadensfall dazu führen, dass die Versicherung die Regulierung kürzt oder ablehnt. Sprechen Sie deshalb vor der Installation mit Ihrem Versicherer und holen Sie nach Abschluss den Prüfbericht als Nachweis ein.

In welchen Abständen muss eine Blitzschutzanlage geprüft werden?

DIN EN 62305-3 schreibt je nach Schutzklasse Prüfintervalle von einem bis vier Jahren vor: Schutzklasse I und II alle zwei Jahre, Schutzklasse III und IV alle vier Jahre. Viele Versicherungen und behördliche Vorschriften verlangen ebenfalls regelmäßige Prüfnachweise. Nach größeren Umbaumaßnahmen, Dacharbeiten oder dem Aufbau einer Photovoltaikanlage ist außerdem eine außerplanmäßige Prüfung erforderlich.

Was kostet eine Blitzschutzanlage für ein Einfamilienhaus?

Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus sind Gesamtkosten zwischen 2.500 und 6.000 EUR realistisch, abhängig von Dachgröße, Dachform, Schutzklasse und gewähltem Leitermaterial. Ein Fundamenterder, der im Neubau bereits beim Betonieren eingebaut wird, ist mit 8-18 EUR je laufendem Meter vergleichsweise günstig; die nachträgliche Erdung eines Bestandsgebäudes ist aufwändiger und teurer. Für ein verbindliches Angebot ist eine Besichtigung durch den Fachbetrieb notwendig.

Muss die Blitzschutzanlage nach dem Aufbau einer Photovoltaikanlage angepasst werden?

Ja, PV-Module auf dem Dach verändern die Geometrie der Fangeinrichtung und können den bisherigen Schutzbereich beeinflussen. Außerdem erfordern die DC-Leitungen zwischen Modulen und Wechselrichter einen zusätzlichen, auf Gleichstrom ausgelegten Überspannungsschutz. Ein Blitzschutzfachbetrieb prüft, ob die vorhandene Anlage ausreicht oder erweitert werden muss, und dokumentiert das Ergebnis in einem aktualisierten Prüfbericht.

Kann ich eine Blitzschutzanlage auch nachträglich in ein Bestandsgebäude einbauen lassen?

Ja, eine Nachrüstung ist in der Regel möglich. Bei Bestandsgebäuden wird anstelle des Fundamenterders meist ein Ringerder oder Tiefenerder im Erdreich verlegt, was aufwändiger und etwas teurer ist. Die Ableitungen werden an der Fassade sichtbar oder in vorhandenen Schächten geführt. Ein Fachbetrieb beurteilt nach einer Begehung, welche Lösung für das jeweilige Gebäude technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist.

Welchen Unterschied macht es, ob ich einen Blitzschutzfachbetrieb oder einen normalen Elektriker beauftrage?

Ein allgemeiner Elektriker ist berechtigt, den inneren Überspannungsschutz zu installieren, verfügt aber häufig nicht über die spezifische Ausbildung und Messtechnik für die vollständige Blitzschutzanlage nach DIN EN 62305. Nur ein Blitzschutzfachbetrieb führt die normgerechte Risikoanalyse durch, plant und installiert den äußeren Blitzschutz und stellt den erforderlichen Prüfbericht aus, der für Versicherungen und Behörden anerkannt wird.