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Tunnelbau

Tunnelbauunternehmen planen und errichten unterirdische Bauwerke für Verkehr, Versorgung und Infrastruktur – von Straßen- und Bahntunneln bis hin zu Unterführungen und Stollensystemen. Man beauftragt sie, wenn Trassen, Leitungen oder Verkehrswege unter Hindernissen wie Bergen, Gewässern oder dicht bebautem Stadtgebiet hindurchgeführt werden müssen.

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Was umfasst der Tunnelbau?

Tunnelbauunternehmen führen den Vortrieb und den Ausbau unterirdischer Hohlräume aus. Das umfasst die Wahl und den Einsatz des Vortriebsverfahrens – ob konventioneller Sprengvortrieb, maschineller Vortrieb mit Tunnelbohrmaschinen (TBM) oder das Neue Österreichische Tunnelbauverfahren (NÖT) – sowie die Sicherung der Ortsbrust, den Einbau von Tübbingen oder Spritzbeton und schließlich den Innenausbau des Tunnelrohbaus. Hinzu kommen Abdichtung, Entwässerung und alle bautechnischen Maßnahmen, die den dauerhaften Betrieb des Bauwerks sicherstellen.

Die typischen Auftraggeber im Tunnelbau sind öffentliche Stellen wie Straßenbauverwaltungen, Eisenbahninfrastrukturbetreiber und kommunale Verkehrsbetriebe, seltener auch private Projektentwickler bei Unterflurtrassen oder Tiefgaragen mit Tunnelanbindung. Die Aufträge werden fast immer über öffentliche Vergabeverfahren nach VOB/A vergeben, da es sich in der Regel um Großprojekte im Millionen- bis Milliardenbereich handelt. Kleinere Tunnelbauvorhaben wie kurze Unterführungen oder Leitungstunnel werden gelegentlich auch von mittelständischen Spezialtiefbauunternehmen übernommen.

Abzugrenzen ist der Tunnelbau vom allgemeinen Spezialtiefbau, der sich auf Gründungen, Verbauarbeiten und Bohrpfähle konzentriert, aber keinen bergmännischen Vortrieb ausführt. Auch der Leitungsbau – etwa das Einziehen von Versorgungsleitungen per Horizontalspülbohrung – ist ein eigenes Gewerk mit anderen Maschinen und Zulassungen. Straßen- und Ingenieurbauunternehmen können den Rohbauanschluss und die oberirdischen Anschlussbauwerke herstellen, übernehmen aber nicht den eigentlichen Vortrieb im Fels oder Lockergestein.

Leistungen im Überblick

Tunnelbauunternehmen decken den gesamten Lebenszyklus eines unterirdischen Bauwerks ab – von der Vorbereitung der Baustelle bis zur betriebsfertigen Tunnelröhre.

  • Konventioneller Spreng- und BaggervortriebIm Fels oder standfestem Gebirge wird die Tunnelröhre durch zyklisches Sprengen oder maschinelles Fräsen abschnittsweise aufgefahren. Nach jedem Abschlag sichern Spritzbeton, Anker und Stahlbögen die freiliegende Firste, bevor der nächste Zyklus beginnt.
  • Maschineller Vortrieb mit Tunnelbohrmaschinen (TBM)TBM lösen das Gebirge kontinuierlich mit einem rotierenden Schneidrad und fördern das Ausbruchmaterial gleichzeitig nach hinten ab. Parallel werden vorgefertigte Betonringe (Tübbinge) eingebaut, die sofort die Tunnelschale bilden und den Boden vor dem Einbruch sichern.
  • Bergmännischer Vortrieb nach NÖTDas Neue Österreichische Tunnelbauverfahren nutzt das Gebirge selbst als tragendes Element und kombiniert frühzeitige Spritzbetonschalen mit Messprogrammen zur Überwachung der Verformungen. Es ist besonders geeignet für wechselnde Gebirgsverhältnisse und unregelmäßige Querschnitte.
  • Innenschalenbetonage und AusbauNach dem Rohvortrieb wird eine wasserundurchlässige Innenschale aus Ortbeton eingebracht, die gemeinsam mit einer Abdichtungsbahn die endgültige Tunnelstruktur bildet. Im Anschluss erfolgen der Einbau der Fahrbahn oder Gleise sowie sämtliche betriebstechnischen Installationen.
  • Abdichtung und EntwässerungTunnelbauunternehmen verlegen Drainagevliese, Kunststoffdichtungsbahnen und Entwässerungsrohre, um Bergwasser kontrolliert abzuleiten und Wassereinbrüche in die Tunnelröhre zu verhindern. Fehler bei der Abdichtung sind nach Fertigstellung kaum noch zu beheben und daher ein zentrales Qualitätskriterium.
  • Bauzustandsüberwachung und MesstechnikWährend des Vortriebs werden Setzungen an der Oberfläche, Gebirgsverformungen und Ankerkräfte kontinuierlich gemessen und ausgewertet. Diese Daten steuern das Vortriebstempo und die Sicherungsmaßnahmen und sind Bestandteil des Nachweispflichtigen Bauüberwachungskonzepts.
  • Bestandssanierung von TunnelbauwerkenÄltere Tunnel in Straßen- und Schienennetzen müssen regelmäßig saniert werden – typische Maßnahmen sind das Reprofilieren der Innenschale, der Austausch der Abdichtung, die Verstärkung tragender Querschnitte und die Erneuerung von Entwässerungssystemen unter laufendem Betrieb.

Was kostet der Tunnelbau?

Tunnelbauprojekte werden fast ausschließlich auf Basis von Einheitspreisen nach detailliertem Leistungsverzeichnis abgerechnet, wobei die Abrechnung nach tatsächlich ausgeführten Mengen erfolgt. Die wesentlichen Kostentreiber sind das angetroffene Gebirge, das gewählte Vortriebsverfahren, die Tunnelgeometrie, die Tiefenlage und die erforderlichen Sicherungsmaßnahmen.

LeistungRichtpreisWas den Preis bestimmt
Konventioneller Vortrieb im Fels (pro lfd. m Tunnel, einspurig) 15.000 - 60.000 EUR/lfd. m Abhängig von Gebirgsklasse, Ausbruchquerschnitt und Sicherungsbedarf
TBM-Vortrieb im Lockergestein (pro lfd. m, Einzelröhre) 25.000 - 80.000 EUR/lfd. m Hohe Mobilisierungskosten der TBM amortisieren sich erst ab ca. 1.000 m Vortrieb
Innenschalenbetonage mit Abdichtung (pro lfd. m) 3.000 - 12.000 EUR/lfd. m Querschnittsgröße und Betongüte sind maßgeblich
Spritzbeton mit Bewehrung (pro m2 aufgetragene Fläche) 80 - 220 EUR/m2 Schichtdicke, Bewehrungsgrad und Erreichbarkeit bestimmen den Preis
Tübbingringmontage (pro Ring, ca. 1,5 m Länge) 8.000 - 25.000 EUR/Ring Tunneldurchmesser und Betongüte der Fertigteile sind die Hauptfaktoren
Sanierung Bestandstunnel – Innenschale reprofilieren (pro m2) 300 - 900 EUR/m2 Aufwand steigt erheblich bei eingeschränktem Betrieb und engen Sperrzeitfenstern

Alle Preisangaben sind Orientierungswerte auf Basis aktueller Marktpreise in Deutschland und können je nach Region, Projektgröße und Ausschreibungszeitpunkt erheblich abweichen. Für verbindliche Zahlen ist ein detailliertes Leistungsverzeichnis mit geotechnischer Voruntersuchung die einzig belastbare Grundlage.

Woran Sie einen guten Tunnelbau erkennen

Im Tunnelbau entscheiden Fachkompetenz, Maschinenausstattung und Erfahrung mit vergleichbaren Gebirgsverhältnissen über Qualität, Termintreue und Sicherheit.

  1. Nachweis vergleichbarer ReferenzprojekteEin seriöser Tunnelbaubetrieb kann Referenzobjekte mit ähnlichem Vortriebsverfahren, vergleichbarer Gebirgssituation und ähnlicher Querschnittsgröße benennen. Fragen Sie nach Ansprechpartnern beim Auftraggeber der Referenzprojekte, um die Aussagen zu verifizieren.
  2. Qualifiziertes Leitungspersonal auf der BaustelleDer verantwortliche Polier und der Bauleiter sollten nachweislich Erfahrung im gewählten Vortriebsverfahren haben – überprüfbar über Lebensläufe oder Referenzlisten, die auf Anfrage vorzulegen sind. Tunnelbau duldet keine Lernkurve auf Kosten des Bauherrn.
  3. Eigene oder langfristig gesicherte MaschinenausstattungFragen Sie, ob die für Ihr Projekt benötigten Maschinen – TBM, Spritzbetongespann, Ankerbohrgeräte – eigene Geräte oder vertraglich gesicherte Mietgeräte sind. Engpässe bei der Maschinenverfügbarkeit sind eine häufige Ursache für Bauzeitverzögerungen.
  4. Vorlage eines geotechnischen VorerkundungskonzeptsKompetente Unternehmen fordern vor Angebotserstellung Einblick in Baugrundgutachten und Vorerkundungsergebnisse oder weisen aktiv auf fehlende Daten hin. Ein Angebot ohne Kenntnis der Baugrundsituation ist wertlos und birgt erhebliche Nachtragsrisiken.
  5. Transparentes SicherheitskonzeptTunnelbau ist eine der unfallträchtigsten Bauaufgaben. Ein seriöser Betrieb legt auf Anfrage seinen Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan (SiGe-Plan), seine Unfallstatistik und die Qualifikationsnachweise der Sicherheitsbeauftragten vor.
  6. Klare Regelung von Gebirgsunsicherheiten im VertragPrüfen Sie, ob das Angebot einen transparenten Mechanismus für den Umgang mit abweichenden Gebirgsverhältnissen – etwa geänderte Gebirgsklassen nach DIN 18312 – enthält. Fehlt eine solche Regelung, entstehen in der Regel teure Nachträge ohne klare Kalkulationsgrundlage.

Angebote richtig vergleichen

Ein belastbares Angebot im Tunnelbau muss auf einem detaillierten Leistungsverzeichnis nach VOB/C basieren, das alle wesentlichen Positionen einzeln ausweist: Vortriebsleistung nach Gebirgsklassen, Sicherungsmaßnahmen, Abdichtung, Innenschale, Entwässerung, Bauzeitplan und Regelungen für besondere Vorkommnisse wie Wassereinbrüche oder Gebirgsausbrüche. Pauschalsummen ohne Positionsaufschlüsselung sind im Tunnelbau nicht verhandlungssicher und führen erfahrungsgemäß zu Konflikten, sobald die Gebirgsverhältnisse von den Annahmen abweichen.

Häufig fehlen in Angeboten Positionen für Bauzeitverlängerungen durch unerwartete Gebirgsbedingungen, Kosten für den Abtransport und die Entsorgung von belastetem Ausbruchmaterial sowie Leistungen für das messtechnische Monitoring an der Geländeoberfläche. Für öffentliche Vergaben sind mindestens drei Angebote gesetzlich vorgeschrieben; bei freihändiger Vergabe empfiehlt sich dieselbe Mindestanzahl. Vergleichen Sie nicht nur die Gesamtsumme, sondern die Einheitspreise für die mengenrelevantesten Positionen – insbesondere den Vortriebspreis je laufendem Meter nach Gebirgsklasse.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, einen Tunnel zu bauen?

Die Baudauer hängt vor allem von der Tunnellänge, dem Vortriebsverfahren und den Gebirgsverhältnissen ab. Als grober Anhaltspunkt gilt eine Vortriebsleistung von 5 bis 15 lfd. m pro Tag beim konventionellen Verfahren und 10 bis 30 lfd. m pro Tag bei maschinellem TBM-Vortrieb unter guten Bedingungen. Hinzu kommen Planungs- und Genehmigungszeiten, die bei öffentlichen Projekten häufig mehrere Jahre betragen, sowie der Ausbau nach Abschluss des Rohvortriebs.

Was kostet ein Tunnel pro Meter?

Die Kosten für einen fertig ausgebauten Tunnel liegen in Deutschland typischerweise zwischen 15.000 und 80.000 EUR pro laufendem Meter, je nach Verfahren, Querschnitt und Gebirgssituation. Stadtbahntunnel in schwierigem Untergrund oder unter dichter Bebauung können deutlich teurer werden. Ein belastbarer Wert ist nur auf Basis eines Baugrundgutachtens und eines detaillierten Leistungsverzeichnisses zu ermitteln.

Welches Vortriebsverfahren ist für mein Projekt geeignet?

Die Wahl des Verfahrens hängt von Gebirgsart, Grundwassersituation, Querschnittsgröße und verfügbarem Baufeld ab. Maschineller TBM-Vortrieb lohnt sich in der Regel erst ab Tunnellängen von mehr als 500 bis 1.000 m, weil die Mobilisierungskosten für die Maschine sehr hoch sind. Konventioneller Vortrieb nach NÖT ist flexibler bei wechselnden Gebirgsklassen und unregelmäßigen Querschnitten. Die Entscheidung sollte ein Geotechniker gemeinsam mit dem Tunnelbaubetrieb auf Basis eines Baugrundgutachtens treffen.

Brauche ich ein Baugrundgutachten, bevor ich Tunnelbauunternehmen anfrage?

Ja, ein geotechnisches Baugrundgutachten ist die Voraussetzung für jedes seriöse Angebot im Tunnelbau. Ohne Kenntnis der Boden- und Felsverhältnisse, des Grundwasserstands und möglicher Altlasten können Unternehmen keine belastbaren Einheitspreise kalkulieren. Angebote auf ungesicherter Grundlage führen fast zwangsläufig zu Nachträgen. Die Kosten für ein geotechnisches Gutachten liegen je nach Umfang und Erkundungstiefe zwischen 20.000 und mehreren Hunderttausend EUR.

Wer genehmigt ein Tunnelbauprojekt in Deutschland?

Die Genehmigungszuständigkeit richtet sich nach dem Zweck des Tunnels. Straßentunnel im Bundesfernstraßennetz werden über das Planfeststellungsverfahren durch die Straßenbauverwaltung der jeweiligen Länder oder das Fernstraßen-Bundesamt genehmigt. Eisenbahntunnel liegen im Zuständigkeitsbereich des Eisenbahn-Bundesamts. Kommunale Tunnel für U-Bahnen oder Straßenbahnen werden über städtische Planfeststellungsverfahren zugelassen. In jedem Fall sind Umweltverträglichkeitsprüfung, Brandschutzkonzept und geotechnische Nachweise Bestandteil des Antragsverfahrens.

Wie läuft die Ausschreibung eines Tunnelbauprojekts ab?

Öffentliche Auftraggeber schreiben Tunnelbauleistungen nach der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB/A) aus, bei größeren Projekten in der Regel als offenes oder nicht offenes Verfahren nach EU-Schwellenwerten. Private Auftraggeber können freihändig vergeben, sollten jedoch mindestens drei Angebote einholen. Grundlage ist ein vollständiges Leistungsverzeichnis mit Positionsaufschlüsselung, dem ein Baugrundgutachten und Pläne beizufügen sind. Die Angebotsfrist beträgt bei komplexen Tunnelprojekten typischerweise vier bis acht Wochen.

Was passiert, wenn beim Vortrieb unerwartete Bodenverhältnisse auftreten?

Weichen die tatsächlich angetroffenen Gebirgsverhältnisse von den Annahmen im Leistungsverzeichnis ab, hat der Auftragnehmer nach VOB/B § 2 Anspruch auf Anpassung der Einheitspreise oder auf zusätzliche Vergütung. Im Vertrag sollten Gebirgsklassen nach DIN 18312 und die Preise je Klasse explizit aufgeführt sein, damit eine Neuklassifizierung geordnet abgerechnet werden kann. Fehlt diese Regelung, entstehen in der Praxis langwierige Nachtragsverhandlungen, die Bauzeit und Kosten erheblich belasten können.