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Gleisbau

Gleisbauunternehmen planen, bauen und sanieren Schienenwege für Straßenbahnen, S-Bahnen, Regionalzüge und Güterverkehr. Auftraggeber sind in der Regel Bahnbetreiber, Kommunen, Infrastrukturbetreiber oder Industrieunternehmen mit eigenem Anschlussgleis.

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Was gehört zum Gleisbau?

Gleisbauunternehmen sind auf den Bau und die Instandhaltung von Schienenwegen spezialisiert. Dazu gehören das Verlegen von Gleisen, das Einbauen von Weichen und Kreuzungen, das Herstellen des Schotterunterbaus sowie die Befestigung von Schienen auf Betonschwellen oder in Betonfahrbahnen. Auch der Rückbau nicht mehr benötigter Gleisanlagen sowie Gleisvermessungen nach dem Einbau fallen in diesen Bereich.

Typische Aufträge kommen von der Deutschen Bahn und regionalen Eisenbahninfrastrukturunternehmen, von Stadtwerken und Verkehrsbetrieben für Straßenbahn- und U-Bahnnetze sowie von Industriebetrieben, die ein Werksanschlussgleis bauen oder sanieren lassen. Auch Depots, Rangiergleise und Abstellanlagen werden von Gleisbauunternehmen errichtet. Die Vergabe erfolgt meist über öffentliche Ausschreibungen nach VOB.

Der Gleisbau grenzt sich klar von verwandten Gewerken ab: Den Tiefbau der Trasse, also Erdarbeiten, Entwässerung und Brückenbauwerke, übernehmen häufig spezialisierte Tiefbauunternehmen oder Arbeitsgemeinschaften. Oberleitungsanlagen und Signaltechnik sind eigene Fachgewerke der Elektrotechnik und Bahntechnik. Gleisbauer konzentrieren sich auf den Oberbau — also alles ab dem Planum aufwärts: Schotter, Schwellen, Schienen und Weichen.

Leistungen im Überblick

Gleisbauunternehmen decken den gesamten Oberbau von Schienenwegen ab, von der Neuerstellung bis zur laufenden Instandhaltung.

  • GleisneubauVerlegung neuer Gleisanlagen einschließlich Planumsherstellung, Schotterbett, Schwellen und Schienen. Gilt für Hauptstrecken ebenso wie für Industrie- und Anschlussgleise.
  • Gleiserneuerung und SanierungAustausch von Verschleißteilen wie Schienen, Schwellen oder Schotterbett bei bestehenden Strecken. Häufig im laufenden Betrieb mit kurzen Streckensperrfenstern durchgeführt.
  • Weichen- und KreuzungseinbauEinbau und Austausch von Weichen, Kreuzungsweichen und Gleisverbindungen. Diese Arbeiten erfordern Präzisionsvermessung und müssen mit dem Betreiber eng abgestimmt werden.
  • Schotterbearbeitung und GleisrichtungMaschinelles Stopfen, Richten und Nivellieren von Gleisen zur Wiederherstellung der Planlage. Wird regelmäßig zur Instandhaltung befahrener Strecken eingesetzt.
  • Feste Fahrbahn und StraßenbahngleiseEinbau von Gleisen in Betonfahrbahnen oder Asphalt, typisch für Straßenbahnen im Stadtbereich. Erfordert Kenntnisse im Umgang mit Einbettungsmassen und koordinierte Zusammenarbeit mit dem Straßenbau.
  • Rückbau von GleisanlagenDemontage nicht mehr genutzter Gleise, Weichen und Schotterbetten einschließlich fachgerechter Entsorgung oder Wiederverwendung der Materialien.
  • Gleisvermessung und DokumentationAufmaß und Ist-Zustandserfassung bestehender Gleisanlagen sowie Abnahme nach Neubau oder Sanierung. Grundlage für Abrechnung und Übergabe an den Betreiber.

Was kostet Gleisbau?

Gleisbauarbeiten werden überwiegend nach Einheitspreisen abgerechnet, also pro Meter verlegtes Gleis, pro Weiche oder pro Kubikmeter Schotter. Stundenlohnarbeiten kommen vor allem bei Kleinreparaturen oder schwer kalkulierbaren Sonderleistungen vor. Den größten Einfluss auf den Preis haben Gleistyp, Lage der Baustelle, verfügbarer Gleissperrumfang und Anforderungen an Präzision und Material.

LeistungRichtpreisWas den Preis bestimmt
Gleisneubau Schotterbauweise (eingleisig) 800-1.800 EUR/lfd. m Abhängig von Schienenprofil, Schwellentyp und Schottertiefe
Gleiserneuerung (Schienen und Schwellen) 500-1.200 EUR/lfd. m Geringer bei reiner Schienenerneuerung, höher bei Kompletterneuerung des Oberbaus
Weicheneinbau (einfache Weiche) 15.000-60.000 EUR/Stück Stark abhängig von Weichentyp, Abzweigradius und Material; Hochgeschwindigkeitsweichen deutlich teurer
Straßenbahngleis in fester Fahrbahn 1.500-3.500 EUR/lfd. m Je nach Einbettungsverfahren, Rillenschienentyp und Koordination mit Straßenbau
Schotterstopfen und Gleisrichtung 80-200 EUR/lfd. m Maschinenleistung und Anzahl der Durchgänge beeinflussen den Preis
Gleisrückbau 150-500 EUR/lfd. m Entsorgungskosten und Wiederverwendbarkeit der Materialien bestimmen die Spanne

Die genannten Werte sind Richtwerte auf Basis üblicher Marktpreise in Deutschland. Regional, je nach Vergabewettbewerb, Auftragsgröße und konkreten Baubedingungen können die tatsächlichen Preise erheblich abweichen.

Woran Sie einen guten Betrieb für Gleisbau erkennen

Gleisbau ist ein hochspezialisiertes Gewerk — nicht jeder Tiefbaubetrieb verfügt über die notwendige Ausrüstung, Zertifizierungen und Erfahrung.

  1. Zulassung und ZertifizierungFür Arbeiten an Strecken der DB Netz AG oder anderer Eisenbahninfrastrukturbetreiber benötigen Unternehmen in der Regel eine Zulassung als anerkannter Eisenbahnbauunternehmer. Fragen Sie gezielt nach vorhandenen Zertifikaten und Referenzen beim jeweiligen Netzbetreiber.
  2. Eigene MaschinenausstattungSeriöse Gleisbauunternehmen verfügen über eigene Gleisbaugeräte wie Stopfmaschinen, Schienenzugmaschinen oder Gleisbaukrane. Ein Betrieb, der alle Geräte anmieten muss, hat weniger Kontrolle über Verfügbarkeit und Terminplanung.
  3. Referenzprojekte vergleichbarer GrößenordnungLassen Sie sich abgeschlossene Projekte benennen, die in Art und Umfang mit Ihrem Vorhaben vergleichbar sind. Achten Sie dabei auf Angaben zu Auftraggeber, Leistungsumfang und Bauzeit — nicht nur auf allgemeine Erfahrungsaussagen.
  4. Fachkundiges Personal und SchweißzulassungenFür das thermitische Schweißen von Schienen sind gesonderte Schweißzulassungen erforderlich. Prüfen Sie, ob entsprechend qualifiziertes Personal im Unternehmen dauerhaft beschäftigt ist.
  5. Erfahrung mit BetriebsablaufplanungGleisbauarbeiten auf befahrenen Strecken erfordern enge Abstimmung mit dem Netzbetreiber bezüglich Sperrpausen. Unternehmen mit Erfahrung im Sperrpausenbetrieb vermeiden kostspielige Terminüberschreitungen.
  6. Transparente Kalkulation nach VOBIm öffentlichen Bereich ist die Abrechnung nach VOB/B üblich. Auch bei privaten Auftraggebern sollte das Angebot klar nach Einheitspreisen gegliedert sein, sodass Mengenänderungen nachvollziehbar abgerechnet werden können.

Angebote richtig vergleichen

Ein vollständiges Angebot im Gleisbau muss die Leistungen nach Einheitspreisen aufgeschlüsselt ausweisen: getrennt nach Oberbaumaterialien (Schienen, Schwellen, Schotter), Einbauarbeiten, Maschineneinsatz, Vermessung und Entsorgung. Fehlen Positionen wie die Planumsherstellung, Entwässerungsrinnen im Gleisbereich oder Schutzmaßnahmen für bestehende Kabel und Leitungen, werden diese erfahrungsgemäß als Nachtragsleistung teuer nachberechnet. Fragen Sie zudem explizit, ob Nacht- oder Wochenendzuschläge für Sperrpausenarbeiten bereits einkalkuliert sind.

Für größere Gleisbauvorhaben empfiehlt sich die Einholung von mindestens drei Angeboten, bei öffentlichen Projekten ist dies ohnehin vergaberechtlich vorgeschrieben. Beim Vergleich sollten Sie nicht nur den Gesamtpreis, sondern auch die angebotenen Einheitspreise je Position gegenüberstellen. Deutliche Abweichungen bei einzelnen Positionen können auf unterschiedliche Leistungsannahmen hindeuten und führen bei Mengenänderungen zu stark abweichenden Abrechnungsbeträgen.

Häufige Fragen

Welchen Bagger brauche ich für den Gleisbau?

Im Gleisbau werden überwiegend Kettenbagger mit Gleisbauausrüstung eingesetzt, die auf oder neben dem Gleis fahren können, sogenannte Zweiwegebagger. Diese Geräte sind für den Schotterbetrieb und das Umsetzen von Schwellen ausgelegt und können sowohl auf der Schiene als auch auf der Straße bewegt werden. Für den Erdbau unterhalb des Gleisplanums reichen in der Regel konventionelle Kettenbagger der 20- bis 35-Tonnen-Klasse. Welches Gerät konkret benötigt wird, hängt von der Zugänglichkeit der Baustelle und dem geplanten Leistungsumfang ab.

Wer bezahlt Gleisbauarbeiten an einem Industrieanschlussgleis — der Betreiber oder die Bahn?

Bei Industrieanschlussgleisen liegt die Baulast in der Regel beim Anschlussinhaber, also dem Industrieunternehmen, sofern das Gleis nicht zur öffentlichen Infrastruktur gehört. Die genaue Abgrenzung ergibt sich aus dem Anschlussvertrag mit dem jeweiligen Eisenbahninfrastrukturunternehmen. Es empfiehlt sich, vor Beauftragung eines Gleisbauunternehmens den Anschlussvertrag zu prüfen und die Baulastgrenzen eindeutig zu klären.

Wie lange dauert der Neubau eines einfachen Industriegleises?

Ein einfaches Anschlussgleis von 200 bis 500 Metern Länge dauert in der Regel vier bis acht Wochen Bauzeit, sofern Planungs- und Genehmigungsverfahren bereits abgeschlossen sind. Genehmigungen durch die zuständige Eisenbahnaufsichtsbehörde und die Abstimmung mit dem Netzbetreiber können im Vorfeld mehrere Monate in Anspruch nehmen. Die Gesamtprojektdauer vom ersten Planungsauftrag bis zur Inbetriebnahme beträgt daher häufig sechs bis zwölf Monate.

Kann ich für Gleisbauarbeiten auch einen allgemeinen Tiefbaubetrieb beauftragen?

Für den reinen Erdbau der Trasse und die Planumsherstellung ist ein Tiefbauunternehmen geeignet. Die eigentlichen Gleisbauarbeiten — also Verlegen von Schienen, Einbau von Schwellen, Schweißarbeiten und Qualitätsabnahme — erfordern jedoch speziell zertifizierte Gleisbauunternehmen, da die Netzbetreiber entsprechende Nachweise verlangen. Eine Ausführung durch nicht zugelassene Betriebe wird bei Abnahme durch den Infrastrukturbetreiber in der Regel nicht akzeptiert.

Wann ist eine Baugenehmigung für Gleisbauarbeiten erforderlich?

Für Neubau und wesentliche Änderungen von Eisenbahnanlagen ist in Deutschland eine eisenbahnrechtliche Planfeststellung oder Plangenehmigung durch die zuständige Eisenbahnaufsichtsbehörde erforderlich. Bei Instandhaltungsmaßnahmen an bestehenden Gleisen ohne Änderung der Spurlage oder Trassierung entfällt diese Genehmigungspflicht in der Regel. Für Straßenbahngleise im Stadtbereich gelten die jeweiligen landesrechtlichen Vorschriften und Abstimmungsverfahren mit der zuständigen Straßenverkehrsbehörde.

Wie läuft die Abnahme von Gleisbauarbeiten ab?

Nach Fertigstellung werden Gleisanlagen vom Auftraggeber oder einem beauftragten Sachverständigen abgenommen, bei Eisenbahnanlagen unter Beteiligung der zuständigen Eisenbahnaufsichtsbehörde. Dabei wird die Lagegenauigkeit der Gleise mit Messwagen oder Tachymeter überprüft, Schweißnähte werden dokumentiert und Belastungstests können vorgeschrieben sein. Erst nach erfolgreicher Abnahme und Erteilung der Betriebsgenehmigung darf das Gleis befahren werden.

Was kostet die Sanierung eines Straßenbahngleises in der Stadt?

Die Sanierung eines Straßenbahngleises in fester Fahrbahn kostet je nach Einbettungsverfahren und Koordinationsaufwand mit dem Straßenbau zwischen 1.500 und 3.500 EUR pro laufendem Meter. Hinzu kommen in der Regel Kosten für Straßenwiederherstellung, Leitungsverlegungen und Verkehrsführungsmaßnahmen, die den Gesamtpreis erheblich erhöhen können. Für eine belastbare Kostenschätzung ist eine Ausschreibung mit detaillierter Leistungsbeschreibung erforderlich.