Hafenbau
Hafenbauunternehmen planen und errichten Hafenanlagen, Kaimauern, Schleusen, Dalben und Uferbefestigungen an Küsten, Flüssen und Binnenwasserstraßen. Man beauftragt sie, wenn Infrastruktur für den Schiffs- und Güterumschlag neu gebaut, saniert oder erweitert werden soll.
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Was macht ein Hafenbauunternehmen?
Hafenbauunternehmen führen Bauleistungen im und am Wasser aus, die weit über klassischen Tiefbau hinausgehen. Sie errichten Kaimauern, Spundwände, Dalben und Stegkonstruktionen, legen Hafen- und Wendebecken an und sichern Ufer gegen Erosion und Strömungsbelastung. Dazu kommen Arbeiten unter Wasser wie Baggerungen, die Herstellung von Gründungen auf Rammpfählen oder in Ortbeton sowie die Anbindung an landseitige Infrastruktur wie Straßen, Schienen und Versorgungsleitungen.
Typische Auftraggeber sind Wasser- und Schifffahrtsbehörden, Kommunen mit Hafenflächen, Industrie- und Gewerbebetriebe mit eigenem Werkshafen sowie Marinas und Sportbootanlagen. Die Projekte reichen von kleinen Stegergänzungen einer Segelschule über die Sanierung einer kommunalen Fähranlegestelle bis hin zum Neubau eines Industrieterminals mit mehreren Hundert Metern Kailänge. Hafenprojekte unterliegen in der Regel wasserrechtlichen Genehmigungsverfahren, für die der Auftraggeber in enger Abstimmung mit dem Betrieb die Planungsunterlagen bereitstellen muss.
Vom Tiefbau grenzt sich der Hafenbau dadurch ab, dass ständig oder temporär mit Wasser als Arbeitsraum umgegangen wird, was spezielle Geräte wie Schwimmkräne, Laderaumsaugbagger, Tauchertrupps und Pontons erfordert. Brückenbaufirmen übernehmen hingegen überspannende Konstruktionen, während der Wasserbau im engeren Sinne auch Deiche, Wehre und Hochwasserschutz umfasst — Aufgaben, die ebenfalls von spezialisierten Wasserbauunternehmen bearbeitet werden, aber nicht zum Kerngeschäft des Hafenbaus gehören.
Leistungen im Überblick
Hafenbauunternehmen decken das gesamte Spektrum vom Aushub unter Wasser bis zur betriebsfertigen Kaianlagen ab.
- Kaimauern und SpundwändeStählerne oder stahlbetonierte Spundwände werden in den Untergrund gerammt oder gedrückt und bilden die vertikale Ufereinfassung. Dahinter erfolgen Verfüllung, Verankerung und der Aufbau der Kranbahnfläche oder des Lagerplatzes.
- Dalben und PollerfundamenteEinzeln oder in Gruppen gesetzte Rammpfähle dienen als Festmach- und Anlegepunkte für Schiffe. Sie werden auf Biegung und horizontale Kräfte ausgelegt und erfordern exakte Ramm- und Lotrechttechnik.
- Stege, Ponton- und SchwimmanlagenFeste Stege auf Pfählen oder schwimmende Pontonanlagen werden für Marinas, Fähranlegestellen und Industriehäfen gebaut. Der Anschluss an Strom, Wasser und Abwasser gehört bei vollausgestatteten Anlagen zum Leistungsumfang.
- Gewässerbaggerung und UnterhaltungsbaggerungUm ausreichende Wassertiefen für anlaufende Schiffsklassen sicherzustellen, wird Sediment aus dem Hafenbecken und den Zufahrten gebaggert. Das Aushubmaterial wird je nach Schadstoffbelastung umgelagert oder entsorgt.
- Uferbefestigung und BöschungssicherungSteinschüttungen, Betonfertigteile, Gabionen oder Steinmatratzen schützen Böschungen vor Wellenschlag und Strömungserosion. Die Bemessung richtet sich nach Schiffsgröße, Wellenbelastung und Bodenverhältnissen.
- Sanierung und Instandsetzung bestehender HafenanlagenAlte Kaimauern werden auf Schäden durch Korrosion, Frost oder Überlastung untersucht und durch Vorsatzschalen, Injektion oder Teilabriss mit Neubau ertüchtigt. Unterwasserinspektionen durch Taucher oder ROV liefern die Grundlage für die Schadenskartierung.
- Schleusen- und HebewerksarbeitenSchleusenkammern, Drempel, Torverschlüsse und Antriebstechnik werden im Neubau oder bei Revisionen durch darauf spezialisierte Hafenbauunternehmen ausgeführt. Diese Projekte erfordern enge Abstimmung mit den Wasser- und Schifffahrtsämtern.
Was kostet ein Hafenbauunternehmen?
Hafenbaupreise werden im öffentlichen Bereich überwiegend auf Einheitspreisbasis nach VOB/A ausgeschrieben, während private Auftraggeber häufig Pauschalangebote mit klar definierten Massen erhalten. Maßgebliche Kostentreiber sind Wassertiefen, Bodenverhältnisse, Zugänglichkeit für Schwimmgeräte, Entsorgungskosten für belasteten Aushub sowie die Komplexität der Gründung.
| Leistung | Richtpreis | Was den Preis bestimmt |
|---|---|---|
| Spundwand, Stahl, einschließlich Rammen | 800-1.800 EUR/m2 | Profilwahl, Rammtiefe und Boden bestimmen die Spanne; sandige Böden günstiger als Findlinge |
| Dalben, Stahlrohr, einschließlich Rammen und Kopfplatte | 8.000-25.000 EUR/Stück | Durchmesser, Einbindetiefe und Biegebeanspruchung durch Schiffsklasse |
| Schwimmsteg, einfach ausgestattet | 1.200-2.800 EUR/lfd. m | Material (Stahl, Aluminium, GfK), Schwimmkörpertyp und Breite sind ausschlaggebend |
| Unterhaltungsbaggerung, Wassertiefe bis 5 m | 15-45 EUR/m3 | Sedimentart, Transportweg und Entsorgungsklasse nach Schadstoffgehalt |
| Uferbefestigung mit Steinschüttung | 150-400 EUR/lfd. m | Böschungsneigung, Steinkorngröße und Einbringtiefe; Wasserzugang über Land oder Schiff |
| Kaimauersanierung, Vorsatzschale Beton | 600-1.400 EUR/m2 | Schadensgrad der Bestandskonstruktion, Taucheraufwand und Schalhöhe |
Alle Angaben sind Orientierungswerte für Deutschland 2026 und beziehen sich auf gängige Projektbedingungen ohne besondere Erschwernisse. Regional können Preise je nach Lage des Gewässers, Verfügbarkeit von Schwimmgeräten und lokalen Entsorgungskosten erheblich abweichen.
Woran Sie ein gutes Hafenbauunternehmen erkennen
Hafenbau ist eine hoch spezialisierte Disziplin — wer einen Betrieb auswählt, sollte gezielt auf Nachweise und Referenzen achten, die speziell im Wasserbau belastbar sind.
- Nachweisbare Referenzprojekte im WasserbauVerlangen Sie Referenzlisten mit vergleichbaren abgeschlossenen Projekten — Kaimauerneubauten, Baggerungen oder Stegarbeiten in ähnlicher Größenordnung. Seriöse Betriebe nennen Ansprechpartner beim Auftraggeber, die Sie kontaktieren können.
- Eigene Schwimmgerätekapazität oder belastbare NachunternehmerFragen Sie, ob Pontons, Schwimmkräne oder Baggerpontons im Eigenbestand vorhanden sind oder regelmäßig genutzte Partner benannt werden können. Fehlende Gerätekapazität ist ein häufiger Grund für Terminverzüge auf Wasserstraßenbaustellen.
- Erfahrung mit wasserrechtlichen GenehmigungsverfahrenDer Betrieb sollte wissen, welche Unterlagen Wasser- und Schifffahrtsämter oder untere Wasserbehörden benötigen, und sollte Sie bei der Antragstellung beraten können. Überprüfen Sie, ob er bereits Projekte in derselben Behördenzuständigkeit abgewickelt hat.
- Qualifikation der eingesetzten TaucherUnterwasserarbeiten dürfen nur von zertifizierten gewerblichen Tauchern nach DGUV-Vorschrift 40 ausgeführt werden. Lassen Sie sich Zertifikate und den Nachweis einer gültigen arbeitsmedizinischen Tauglichkeit vorlegen.
- Transparente Angaben zu EntsorgungsnachweisenGebaggertes Sediment kann belastet sein und muss deklariert werden; der Auftragnehmer muss Entsorgungswege und Entsorgungsnachweise benennen können. Betriebe, die bei diesem Punkt ausweichen, sind ein Warnsignal.
- Solide Baustellenorganisation und SicherheitsplanungWassernahe Baustellen unterliegen besonderen Sicherheitsanforderungen; fragen Sie nach dem Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan und ob ein koordinierter Schiffsverkehrsschutz vorgesehen ist. Ein fehlendes Sicherheitskonzept deutet auf mangelnde Erfahrung hin.
Angebote richtig vergleichen
Ein belastbares Angebot im Hafenbau enthält neben Einheitspreisen für alle relevanten Gewerke auch klar definierte Massenansätze, die auf einem Baugrundgutachten oder einer aktuellen Tiefenmessung basieren. Dazu gehören gesondert ausgewiesene Positionen für Tauchereinsätze, Schwimmgerätevorhaltung, Wasserhaltung, Aushubentsorgung nach Entsorgungsklassen sowie eventuelle Zuschläge für Sperrungen des Schiffsverkehrs. Fehlen diese Einzelpositionen und wird stattdessen nur eine Pauschalpreisliste ohne Massennachweis vorgelegt, ist ein späterer Nachtrag bei geänderten Bodenverhältnissen oder höherem Baggervolumen sehr wahrscheinlich.
Häufig unterschätzte Kostenpunkte sind die Zwischenlagerung und Deklarationsanalytik für belastetes Baggergut, der Aufwand für bauzeitliche Verkehrssicherung auf dem Wasser sowie die Kosten für behördlich geforderte Begleituntersuchungen wie Sohltastungen oder Sichttiefenmessungen. Holen Sie mindestens drei Angebote von Betrieben ein, die Erfahrung mit dem jeweiligen Gewässertyp — Küste, Fluss oder Binnensee — nachweisen können, da die technischen Anforderungen erheblich voneinander abweichen. Vergleichen Sie die Angebote anhand identischer Leistungspositionen und fragen Sie bei Abweichungen im Massenansatz aktiv nach der Kalkulationsgrundlage.
Häufige Fragen
Welche Genehmigungen benötige ich für den Bau einer Kaimauer oder eines Stegs?
In der Regel ist eine wasserrechtliche Genehmigung nach dem Wasserhaushaltsgesetz und dem jeweiligen Landeswassergesetz erforderlich, die bei der unteren Wasserbehörde oder dem zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamt beantragt wird. Für Anlagen an Bundeswasserstraßen ist zusätzlich die Zustimmung nach Paragraf 31 Bundeswasserstraßengesetz notwendig. Je nach Lage und Größe kommen baurechtliche, naturschutzrechtliche oder FFH-Verträglichkeitsprüfungen hinzu. Ein erfahrenes Hafenbauunternehmen kann Sie bei der Zusammenstellung der Antragsunterlagen beraten, die eigentliche Genehmigungspflicht liegt jedoch beim Auftraggeber.
Wie lange dauert der Bau einer Hafenanlegestelle oder eines Stegs?
Kleine Steg- oder Pontonanlagen für Sportboothäfen sind in vier bis zwölf Wochen realisierbar, sofern Genehmigungen vorliegen und Material verfügbar ist. Größere Projekte wie neue Kaimauern oder Hafenbecken mit mehreren Hundert Metern Länge können inklusive Planungs- und Genehmigungsphase mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Entscheidend ist neben dem baulichen Aufwand vor allem die Dauer des wasserrechtlichen Genehmigungsverfahrens, das je nach Bundesland und Behörde zwischen drei Monaten und über einem Jahr liegen kann. Planen Sie daher frühzeitig mit dem beauftragten Unternehmen und der zuständigen Behörde.
Was kostet die Sanierung einer bestehenden Kaimauer?
Für eine Sanierung mit Betonvorsatzschale sind in Deutschland aktuell Kosten zwischen 600 und 1.400 EUR pro Quadratmeter Wandfläche realistisch, abhängig von Schadensumfang, Taucheraufwand und konstruktivem Aufwand. Bei stark korrodierten Stahlspundwänden, die vollständig ersetzt werden müssen, können die Kosten auf 1.800 EUR pro Quadratmeter und mehr steigen. Vor der Budgetplanung ist eine Unterwasserinspektion durch zertifizierte Taucher oder ein ROV sinnvoll, um den Ist-Zustand der Konstruktion zu kennen. Auf Basis der Schadenskartierung lässt sich dann entscheiden, ob eine Teilsanierung, eine Ertüchtigung oder ein Neubau wirtschaftlicher ist.
Wer trägt die Kosten für die Entsorgung von belastetem Baggergut?
Die Entsorgungskosten trägt grundsätzlich der Auftraggeber, da er als Abfallerzeuger im Sinne des Kreislaufwirtschaftsgesetzes gilt. Vor Beginn von Baggerarbeiten muss das Sediment beprobt und deklariert werden; je nach Schadstoffklasse variieren die Entsorgungskosten zwischen einigen Euro pro Kubikmeter für unkontaminiertes Material und mehreren Hundert Euro pro Kubikmeter für stark belastete Schlämme. Diese Kosten werden im Angebot als gesonderte Position ausgewiesen und hängen von Analyseergebnissen ab, die häufig erst während der Ausführung vollständig vorliegen. Kalkulieren Sie daher einen ausreichenden Puffer in Ihrem Budget ein.
Muss ich während der Bauzeit den Hafen- oder Schiffsverkehr sperren?
Ob und in welchem Umfang der Verkehr auf dem Gewässer eingeschränkt werden muss, hängt von der Art der Baumaßnahme und der Breite des Fahrwassers ab. Bei Rammarbeiten oder dem Einsatz von Schwimmkränen ist in der Regel ein Schutzstreifen von mindestens 50 bis 100 Metern zur Fahrrinne einzuhalten; bei engen Wasserstraßen kann das eine temporäre Vollsperrung bedeuten. Die Koordination mit der zuständigen Wasserstraßenbehörde und die Beantragung von Strom- und Schifffahrtspolizeiverordnungen gehören zur Bauvorbereitung. Ein erfahrener Hafenbauunternehmer übernimmt diese Abstimmung in der Regel und kalkuliert die damit verbundenen Aufwände im Angebot.
Kann ich einen Schwimmsteg oder eine Marina auch für die Zukunft erweiterbar bauen lassen?
Ja, erweiterbare Steg- und Pontonkonstruktionen sind bei vorausschauender Planung problemlos möglich, wenn die Tragstrukturen und Anschlüsse von Anfang an auf größere Lasten ausgelegt werden. Das beginnt bei Dalben und Ankerpunkten, die auf eine spätere Verlängerung dimensioniert werden, und reicht bis zu Versorgungsleitungen, die als Leerrohre mit ausreichendem Querschnitt vorgelegt werden. Halten Sie die geplante Endausbaustufe von Anfang an in den Genehmigungsunterlagen fest, da spätere Erweiterungen sonst ein neues Verfahren auslösen können. Besprechen Sie diesen Punkt vor Planungsbeginn mit dem Hafenbauunternehmen und der zuständigen Behörde.
Was ist der Unterschied zwischen einem Hafenbauunternehmen und einem allgemeinen Tiefbauunternehmen?
Ein Hafenbauunternehmen verfügt über schwimmende Geräte, Taucherkapazitäten und Erfahrung mit wasserrechtlichen Verfahren, die ein allgemeines Tiefbauunternehmen in der Regel nicht vorhält. Tiefbauer können landseitige Erschließungsarbeiten wie Straßen, Kanalisation oder Lagerplatzbefestigungen im Hafenbereich ausführen, sind aber für Arbeiten im und am Wasser — Spundwandrammen, Unterwasserbeton, Baggerung — nicht ausgerüstet. Bei größeren Hafenprojekten arbeiten beide Gewerke oft parallel, wobei der Hafenbauer die wasserseitigen Gewerke übernimmt und der Tiefbauer die landseitige Infrastruktur erstellt. Für reine Wasserseite und Uferbereich sollten Sie grundsätzlich einen spezialisierten Hafenbaubetrieb beauftragen.