Regenwasserbewirtschaftung
Betriebe im Bereich Regenwasserbewirtschaftung und Versickerung planen und bauen Anlagen, die Niederschlagswasser gezielt in den Boden ableiten, zwischenspeichern oder nutzbar machen. Auftraggeber sind private Grundstückseigentümer, Kommunen und gewerbliche Bauherren, die Regenwasser von Dach- und Hofflächen kontrolliert bewirtschaften müssen oder wollen.
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Was gehört zur Regenwasserversickerung?
Fachbetriebe für Regenwasserbewirtschaftung übernehmen die Planung, den Bau und die Inbetriebnahme von Anlagen zur Ableitung und Versickerung von Niederschlagswasser. Dazu gehören Mulden-Rigolen-Systeme, Sickerschächte, Versickerungsmulden, Retentionszisternen und unterirdische Rigolen aus Kunststoffkörpern. Vor der Umsetzung prüfen sie die Bodendurchlässigkeit mittels Sickertest und stimmen die Dimensionierung mit den örtlichen wasserrechtlichen Vorgaben ab.
Typische Auftragslagen entstehen im Neubau, wenn Gemeinden eine Einleitung in die öffentliche Kanalisation untersagen oder nur gedrosselt zulassen, sowie bei der Sanierung bestehender Grundstücksentwässerungen. Auch Bauherren, die eine Zisterne zur Gartenbewässerung oder Toilettenspülung einbauen lassen wollen, beauftragen diese Betriebe. Gewerbliche Kunden benötigen häufig größere Retentionsanlagen, die Starkregenereignisse puffern.
Abzugrenzen ist das Gewerk von der allgemeinen Tiefbaufirma, die Rohrgräben ausheben kann, aber keine Nachweise zur Versickerungsleistung erbringt. Landschaftsgärtner gestalten Versickerungsmulden oberflächlich, übernehmen aber selten die technische Berechnung und den Leitungsanschluss. Haustechniker und Sanitärinstallateure verlegen Dachabflussleitungen bis zur Grundstücksgrenze, die Weiterführung ins Versickerungssystem ist hingegen Sache des Tiefbau- oder Kanalbaufachbetriebs.
Leistungen im Überblick
Fachbetriebe für Regenwasserbewirtschaftung bieten ein breites Spektrum von der Standortprüfung bis zur fertigen, abnahmefähigen Versickerungsanlage.
- Bodenkundliche Voruntersuchung und SickertestVor jeder Planung wird die Wasserdurchlässigkeit des Bodens gemessen. Das Ergebnis bestimmt, welche Versickerungsanlage technisch möglich ist und welche Größe sie haben muss.
- Planung und wasserrechtliche AbstimmungDer Betrieb erstellt eine Dimensionierung nach DIN 1986-100 und stimmt die Anlage mit der zuständigen Unteren Wasserbehörde ab. In vielen Bundesländern ist eine wasserrechtliche Genehmigung oder zumindest eine Anzeige erforderlich.
- Versickerungsmulden und Mulden-Rigolen-SystemeOberirdische Mulden oder die Kombination aus Mulde und unterirdischer Rigole aus Kunststoffkörpern gehören zu den häufigsten Lösungen. Sie puffern Spitzenabflüsse und geben das Wasser verzögert an den Boden ab.
- Sickerschächte und RohrrigolenSickerschächte aus Beton oder Kunststoff sowie Kiesrigolen mit Drainrohren eignen sich für kleinere Flächen oder eingeschränkte Platzverhältnisse. Der Betrieb wählt die Bauform nach Platzbedarf, Bodenverhältnissen und anfallender Wassermenge.
- Zisternen und RegenwassernutzungsanlagenUnterirdische Kunststoff- oder Betonzisternen speichern Niederschlagswasser zur Wiederverwendung für Gartenbewässerung oder Toilettenspülung. Der Fachbetrieb verlegt die Zuleitung, setzt die Zisterne und schließt Entnahmepumpe und Überlauf an.
- Retentionssysteme für gewerbliche FlächenGroße versiegelte Flächen wie Parkplätze oder Betriebshöfe erfordern Rückhaltevolumen, das den Abfluss zeitlich verzögert. Der Betrieb baut unterirdische Retentionsrigolen oder -becken und integriert eine gedrosselte Ableitung in die Kanalisation.
- Inspektion und Wartung bestehender AnlagenVersickerungsanlagen verlanden mit der Zeit und müssen regelmäßig gespült oder gesäubert werden. Fachbetriebe bieten Kamerainspektion, Hochdruckspülung und bei Bedarf den Austausch von Filterschichten an.
Was kostet eine Regenwasserversickerung?
Die Abrechnung erfolgt je nach Betrieb entweder als Einheitspreis je laufendem Meter Rigole oder je Kubikmeter Speichervolumen, ergänzt um Pauschalen für Erdarbeiten und Anschlüsse. Wesentliche Preistreiber sind die Bodenbeschaffenheit, die Tiefe des Grundwasserspiegels, die Zugänglichkeit des Grundstücks und der erforderliche Nachweis gegenüber der Behörde.
| Leistung | Richtpreis | Was den Preis bestimmt |
|---|---|---|
| Sickertest und Planung | 400-1.200 EUR pauschal | Abhängig von Umfang der Dokumentation und behördlichen Anforderungen |
| Versickerungsmulde (Erdarbeiten + Ansaat) | 30-70 EUR/m2 | Bodenaushub, Filtervlies und Begrünung eingerechnet; Bodenart entscheidend |
| Rohrrigole oder Kiesrigole | 80-160 EUR/lfd. m | Tiefe und Breite, Aushub und Verfüllung beeinflussen den Preis stark |
| Kunststoffrigole (Systemblock-Rigole) | 120-220 EUR/lfd. m | Höheres Speichervolumen pro Meter, Materialkosten variieren nach Hersteller |
| Zisterne einbaufertig (3.000-7.500 Liter) | 2.500-6.500 EUR pauschal | Inkl. Einbau, Zuleitung und Überlaufleitung; ohne Entnahmepumpe |
| Sickerschacht (DN 1000, komplett eingebaut) | 800-1.800 EUR pauschal | Tiefe und Schachttiefe sowie Bodenverhältnisse bestimmen den Preis |
Alle Angaben sind Orientierungswerte für Deutschland und können je nach Region, Bodenbeschaffenheit und aktuellem Materialmarkt deutlich abweichen. Einzel- und Gewerbeaufträge unterscheiden sich zudem erheblich im Mengengerüst, was die Einheitspreise nach unten oder oben verschiebt.
Woran Sie eine gute Lösung für Regenwasserversickerung erkennen
Nicht jeder Tiefbaubetrieb hat die nötige Fachkenntnis für wasserrechtlich konforme Versickerungsanlagen — diese Kriterien helfen bei der Auswahl.
- Nachgewiesene Fachkunde im Kanal- und LeitungsbauSeriöse Betriebe können eine abgeschlossene Ausbildung oder Meistertitel im Tiefbau, Rohrleitungsbau oder Kanal- und Leitungsbau vorweisen. Fragen Sie konkret nach Referenzprojekten für Versickerungsanlagen, die behördlich abgenommen wurden.
- Kenntnis der einschlägigen NormenDie Dimensionierung sollte nachweislich nach DIN 1986-100 und dem Arbeitsblatt DWA-A 138 erfolgen. Ein Betrieb, der diese Normen auf Nachfrage nicht benennen kann, sollte nicht mit der Planung beauftragt werden.
- Eigenständige Durchführung des SickertestsDer kf-Wert des Bodens ist die Grundlage jeder Bemessung. Betriebe, die diesen Test selbst durchführen oder einen qualifizierten Gutachter beauftragen, arbeiten methodisch sauber; wer ohne Bodendaten plant, liefert keine verlässlichen Ergebnisse.
- Unterstützung bei behördlichen VerfahrenJe nach Bundesland ist eine wasserrechtliche Erlaubnis oder Anzeige nötig. Ein erfahrener Betrieb kennt das lokale Verfahren und erstellt die erforderlichen Unterlagen oder unterstützt den Bauherrn dabei.
- Detailliertes schriftliches AngebotLeistungsverzeichnis, Materialangaben, Herstellernachweise und eine klare Abgrenzung der Erdarbeiten müssen im Angebot stehen. Pauschalhäuser ohne Positionsaufschlüsselung machen einen Angebotsvergleich unmöglich und verbergen spätere Nachträge.
- Referenzen und OrtsterminVerlangen Sie Referenzadressen und besichtigen Sie im Idealfall eine fertiggestellte Anlage. Ein seriöser Betrieb ist bereit, Referenzkunden zu benennen, und kommt selbstverständlich zu einem kostenlosen oder kalkulierbaren Ersttermin auf das Grundstück.
Angebote richtig vergleichen
Ein seriöses Angebot für eine Versickerungsanlage enthält mindestens folgende Positionen: Sickertest bzw. Nachweis der Bodendurchlässigkeit, Erdaushub und Abtransport mit Mengenangabe in Kubikmetern, Materialspezifikation der Rigole oder Zisterne mit Hersteller und Typ, Filtervlies und Abdeckung, Zulauf- und Überlaufleitungen mit Nennweite und Länge sowie Verdichtung und Wiederherstellung der Oberfläche. Fehlen einzelne Positionen, tauchen sie in der Regel als Nachtrag auf — oft zu erhöhten Einheitspreisen, weil der Betrieb dann Monopolstellung hat.
Holen Sie für ein Projekt dieser Art mindestens drei Angebote ein. Vergleichen Sie nicht nur den Gesamtpreis, sondern die Einheitspreise je Position, die angesetzten Massen und die Materialqualitäten. Achten Sie besonders darauf, ob die Entsorgung des Aushubs, die wasserrechtliche Dokumentation und die Abnahme durch die Behörde im Angebot enthalten sind — das sind häufige Lücken, die einen zunächst günstigen Preis am Ende deutlich verteuern.
Häufige Fragen
Brauche ich eine Genehmigung, um Regenwasser auf meinem Grundstück versickern zu lassen?
In den meisten Bundesländern ist die Versickerung von unbelastetem Niederschlagswasser genehmigungsfrei, wenn bestimmte Mindestabstände zu Gebäuden und Grundstücksgrenzen eingehalten werden. Häufig ist jedoch eine Anzeige bei der Unteren Wasserbehörde erforderlich, und die Anlage muss nach dem Arbeitsblatt DWA-A 138 dimensioniert sein. Der ausführende Betrieb sollte die örtlichen Voraussetzungen kennen und die notwendigen Unterlagen zusammenstellen.
Was kostet eine Versickerungsanlage für ein Einfamilienhaus?
Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit einer angeschlossenen Dachfläche von 100 bis 150 m2 liegen die Gesamtkosten einer Rigolen- oder Mulden-Rigolen-Anlage typischerweise zwischen 3.000 und 8.000 EUR, je nach Bodenverhältnissen und örtlichem Aufwand. Hinzu kommen 400 bis 1.200 EUR für Planung und Dokumentation. Ungünstige Bodenverhältnisse, tiefe Grundwasserstände oder enge Zufahrten können den Preis deutlich erhöhen.
Wie groß muss eine Versickerungsanlage für mein Grundstück sein?
Die erforderliche Größe hängt von der angeschlossenen undurchlässigen Fläche, dem maßgeblichen Regenereignis am Standort und der Durchlässigkeit des Bodens ab. Ein Fachbetrieb ermittelt zuerst den kf-Wert des Bodens und berechnet dann das benötigte Speicher- und Versickerungsvolumen nach DIN 1986-100 und DWA-A 138. Ohne diese Voruntersuchung ist keine belastbare Dimensionierung möglich.
Kann ich Regenwasser aus dem Gartenwasser auch zur Toilettenspülung nutzen?
Ja, mit einer entsprechend dimensionierten Zisterne und einer separaten Hausanlage für Brauchwasser ist das technisch möglich und spart je nach Haushaltsgröße merklich Trinkwasser. Die Anlage muss strikt vom Trinkwassernetz getrennt sein, und die zuständige Wasserversorgungsgesellschaft sowie das Gesundheitsamt sind über die Nutzung zu informieren. Der Einbau einer solchen Anlage kostet inklusive Zisterne, Pumpe und Leitungen je nach Ausstattung zwischen 4.000 und 10.000 EUR.
Wie lange hält eine Versickerungsanlage und wann muss sie gewartet werden?
Gut geplante und fachgerecht eingebaute Anlagen halten mehrere Jahrzehnte, sofern regelmäßig gewartet wird. Empfohlen wird eine Inspektion alle zwei bis fünf Jahre, bei höherer Verschmutzungsbelastung der Zulauflächen öfter; zu den typischen Wartungsarbeiten gehören die Spülung der Rigolen, die Reinigung von Einlaufschächten und der Austausch von Filtervliesen. Wer die Wartung vernachlässigt, riskiert Verlandung und den vollständigen Funktionsverlust der Anlage.
Wird mir die Gemeinde einen Anreiz oder Zuschuss gewähren, wenn ich Regenwasser versickere?
Viele Kommunen haben Förderprogramme oder gewähren einen Nachlass auf die Niederschlagswassergebühr, wenn Grundstückseigentümer nachweislich von der öffentlichen Kanalisation entkoppeln. Die Höhe variiert stark: Einige Gemeinden zahlen Fördersummen von 500 bis mehreren Tausend Euro, andere gewähren ausschließlich Gebührenersparnisse. Informieren Sie sich direkt beim zuständigen Tiefbauamt oder Abwasserbetrieb Ihrer Gemeinde, bevor Sie ein Angebot einholen.
Was passiert, wenn der Boden auf meinem Grundstück zu wenig durchlässig ist?
Bei einem kf-Wert unter 1 x 10 hoch -6 m/s gilt der Boden als nicht ausreichend versickerungsfähig, und eine klassische Versickerungsanlage ist nicht zulässig. In diesem Fall kommen gedrosselte Einleitung in die Kanalisation mit Retentionsvolumen, Verdunstungsanlagen oder in Einzelfällen das Abtransportieren des Wassers über eine Ableitung in ein Oberflächengewässer in Betracht. Ein erfahrener Fachbetrieb benennt nach dem Sickertest die möglichen Alternativen und deren jeweilige Kosten.